Gutachten : Bombenleger wird untersucht

Die Justiz hat einen Gutachter mit der psychiatrischen Diagnose des mutmaßlichen Bombenlegers beauftragt. Dieser soll prüfen, ob John möglicherweise schuldunfähig ist.

Tanja Buntrock

Der mutmaßliche Bombenleger Peter John wird untersucht, kommt aber bis auf Weiteres nicht in eine psychiatrische Klinik des Maßregelvollzugs, sondern bleibt in Untersuchungshaft. Und dort wird er nach Ansicht der Ermittler auch bis zum Gerichtsprozess bleiben. Zwar sind sich Polizei und Staatsanwaltschaft einig, dass ein Mann, der aus Hass und Neid auf seine Familie eine Bombe zündet, „psychisch nicht ganz normal tickt“, wie ein Ermittler es nannte. Doch das sei noch kein Grund anzunehmen, John sei dermaßen gestört, dass er nicht in die U-Haft gehört.

Doch der Grundverdacht, dass der 32-Jährige psychisch auffällig ist, bleibt bestehen. Deshalb sei ein Gutachter beauftragt worden zu prüfen, ob John nach §20 StGB schuldunfähig oder nach §21 vermindert schuldfähig ist, sagte Justizsprecher Michael Grunwald. Gerüchte, John spiele bei seiner Vernehmung den Irren, brülle herum und erzähle, er fühle sich verfolgt, wollte Grunwald nicht kommentieren.

Wie berichtet, hatte John Ende November eine Bombe im Briefkasten seiner Familie in Rudow deponiert. Dabei wurde seine zwölfjährige Nichte Charlyn lebensgefährlich verletzt. Ihren zerfetzten Arm konnten die Ärzte mittlerweile retten. John war elf Tage auf der Flucht und wurde am Samstagabend am Ostbahnhof gefasst.

Ein vorläufiges Ergebnis seines Gutachtens sollte ein Sachverständiger schon zu Beginn des Prozesses vorlegen, sagte Frank Wendt vom Institut für forensische Psychiatrie an der Charité. Der 42-Jährige arbeitet dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter und erstellt selbst psychiatrische Gutachten.

„Mit dem Gutachten wird eine psychiatrische Diagnose erstellt – oder auch nicht“, sagt Wendt. Wenn ja, dann werde geschaut, wie stark die Störung ausgeprägt sei und wie sich das auf die Einsichts- und Hemmungsfähigkeit des Tatverdächtigen ausgewirkt haben könne. Doch egal, welche Diagnose bei einem Betroffenen gestellt werde, also beispielsweise eine Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie oder eine Sexualstörung: Die Symptomatik müsse auch zur Tat passen. „Es gibt keinen Automatismus, der besagt, dass eine bestimmte Diagnose bedeutet, dass der Betreffende schuldunfähig ist“, erklärt Wendt. So sei beispielsweise nicht jeder, der während einer Tat volltrunken war oder unter Drogen stand, automatisch schuldunfähig.

Für ein ausführliches Gutachten nehme ein Psychiater sich Zeit: „Es gibt mindestens zwei Termine, zwischen zwei und fünf Stunden. Teilweise werden aber auch sechs Termine veranschlagt“, erläutert Wendt. Tanja Buntrock

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben