"Hassbrenner" : Autobrandstifter suchen sich neue Reviere

Die jüngste Serie aus politisch motivierten Brandstiftungen erreicht bislang unbekannte Ausmaße. Die Täter zündeln vermehrt in Moabit und Friedrichshain.

Jörn Hasselmann

So häufig haben linksextremistische Brandstifter noch nie zugeschlagen, doch die Polizei ist machtlos: Seit Mitte Mai sind fast jede Nacht mehrere Autos in Flammen aufgegangen, ohne dass ein einziger Täter gefasst werden konnte. Allein in der Nacht zu Mittwoch gab es sieben Anschläge – in Moabit und Friedrichshain.  In der Nacht zu Dienstag wurden sechs Fahrzeuge angezündet: in Hohenschönhausen, Prenzlauer Berg und wiederum in Moabit. Ähnlich sah es in den Nächten davor aus. Ungewöhnlich sei die jüngste Häufung von Anschlägen in Moabit, hieß es im Präsidium. Deutlich öfter brennt es auch in Friedrichshain und Prenzlauer Berg.

Eine Erklärung für die hohe Aktivität der Zündler hat der Staatsschutz nicht, – nur Mutmaßungen. So sei es auffallend, dass die Zahl der Anschläge nach dem – für die Polizei erfolgreichen – Einsatz am 1. Mai in die Höhe schnellte: „Die kamen am 1. Mai nicht zum Zuge und wollen uns jetzt zeigen, dass wir dieses Delikt nicht in den Griff bekommen“, sagte ein Beamter. Einiges spricht für die These, dass jetzt nur noch eine Handvoll Linker als Brandstifter aktiv ist. Rätselhaft ist, weshalb die Täter im Juni noch einmal deutlich zugelegt haben. Aktuell zählt die Polizei 63 Anschläge, bei denen 77 Fahrzeuge angesteckt wurden. Weitere 54 geparkte Autos wurden beschädigt oder brannten ebenfalls aus. Wenn die Serie nicht abreißt, wird der Negativ-Rekord des Jahres 2009 erreicht. Damals wurden bei 145 Anschlägen insgesamt 221 Autos angesteckt. Eine mögliche Erklärung der jüngsten Serie sehen Ermittler auch im Medienecho auf die Zündeleien. Ein leitender Beamter verwies auf Hamburg, wo der Polizeipräsident sämtliche Medien gebeten hatte, möglichst zurückhaltend zu berichten. Dies soll zu einem spürbaren Rückgang geführt haben, wie ein Sprecher der Hamburger Polizei bestätigte. Es gebe regelmäßig zahlreiche Nachahmertaten, „wenn das groß in der Presse gestanden hat“. Deshalb ist man in der Hansestadt dazu übergegangen, nicht mehr jeden Brandanschlag im Pressedienst zu veröffentlichen. Die Berliner Polizei meldet dagegen bislang jedes brennende Auto.

Hamburg hat vor einiger Zeit Berlin als Hauptstadt der Polit-Brandstifter abgelöst, wo die Polizei in diesem Jahr bereits 162 Anschläge gezählt hat mit weit über 200 abgebrannten Autos. Eine bislang einmalige Aktion war das gemeinsame Vorgehen der Linksextremisten in beiden Städten im Jahr 2009. Damals hatten Unbekannte hier wie dort nachts zeitgleich bis auf die Minute zehn Autos der Deutschen Bahn angezündet. Die Täter wurden nie gefasst.

Die als „Hassbrenner“ verrufenen Brandstifter haben nach Ansicht von Experten kaum Unterstützung in der linken Szene. Trotzdem werden weiterhin auch Mittelklassewagen angezündet. So waren in der Nacht zu Mittwoch in Moabit überwiegend Mittelklassewagen wie BMW 1er und Audi A2 betroffen, sogar ein Smart. Bekennerschreiben tauchten in den vergangenen Wochen kaum noch auf. Wenn überhaupt noch Selbstbezichtigungen eingehen, dann zu Anschlägen auf Firmenwagen wie von der Bahn, Vattenfall oder Siemens.

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