Hauptbahnhof-Geiselnehmer : War er verwirrt oder zurechnungsfähig?

Aufgebracht, verwirrt, fassungslos: So beschrieben Zeugen den Geiselnehmer vom Hauptbahnhof, der Berlin gestern zwei Stunden lang in Atem hielt. Jetzt muss ein Haftrichter entscheiden, ob Taner I. in die Psychiatrie oder in Untersuchungshaft gehört.

Tanja Buntrock,Saskia Weneit

BerlinDer 26-Jährige war Reisenden gestern bereits gegen 15 Uhr aufgefallen, als er im Erdgeschoss des Hauptbahnhofs herumschrie und sie ein Messer aufblitzen sahen. Er machte einen sehr aufgebrachten und verwirrten Eindruck. Die Zeugen alamierten daraufhin die Bundespolizei.

Mit einer Täterbeschreibung durchsuchte dann eine Bundesstreife den Hauptbahnhof und fand den jungen Mann gut eine Stunde später in dem Café Segafredo. Als die Polizisten ihn ansprachen, verlor er die Fassung, schrie und zog ein Messer. Daraufhin riefen Bundespolizisten die Berliner Polizei und ein Spezialeinsatzkommando (SEK) zu Hilfe. Die Polizei war mit rund 200 Beamten im Einsatz und sperrte sofort den Zugang zum Europaplatz weiträumig ab. Auch der Bereich rund um das Café wurde geräumt. Der Zugverkehr war nicht beeinträchtigt, Fahrgäste mussten lediglich andere Zugänge zu den Bahnsteigen benutzen.

Von der Freundin verlassen

Wie es bei der Polizei hieß, hatte der Geiselnehmer, Taner I., Forderungen "aus dem privaten Bereich" gestellt. Offenbar hatte ihn seine Lebensgefährtin verlassen, woraufhin dem Kurden die Sicherungen durchbrannten. Wie bereits bekannt, forderte er Geld und  ein Handy, um in der Türkei anrufen zu können. Außerdem soll er versucht haben, einen Flug in die Türkei zu erpressen.

Gegen 18 Uhr sahen die Zeugen plötzlich, wie der Geiselnehmer mit dem Opfer fluchtartig das Café verließ, die SEK-Männer und die Verhandler eilten hinterher. "Das war eine taktische Maßnahme, die gewollt war, um eine günstige Gelegenheit zu schaffen und den Mann in der Bewegung zu überwältigen", sagte ein Ermittler. Auch zahlreiche Medienvertreter und Kamerateams, die an der Absperrung warteten, rannten über den anderen Eingang am Washingtonplatz in den Bahnhof hinein und drangen bis hinter die Absperrung vor.

Die Verfolgung der Beamten endete etwa in der Mitte des Hauptbahnhofs: Vor einem Zeitungsladen überwältigten SEK-Polizisten den Täter. Die Geisel wurde in Sicherheit gebracht und psychologisch betreut. Der Geiselnehmer wurde festgenommen und wird heute Abend dem Haftrichter vorgeführt. Es wird entschieden, ob er in Untersuchungshaft oder in eine psychiatrische Anstalt gebracht wird.

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