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Hausprojekt "Köpi" : Rettungskräfte fühlten sich offenbar von Bewohnern bedroht

Auf dem Gelände eines Hausprojekts in der Köpenicker Straße in Mitte wurde in der Nacht zu Mittwoch eine tote Frau entdeckt. Zum daraus folgenden Einsatz gibt es unterschiedliche Darstellungen.

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Köpi
Seit Jahren umstritten: Das Haus in der Köpenicker Straße. -Foto: Mike Wolff

In der Nacht zu Mittwoch wurde eine tote Frau auf dem Gelände der "Köpi" in Mitte gefunden. Nach Polizeiangaben bat die Feuerwehr gegen 23 Uhr bei der Polizei um Unterstützung, da Bewohner und Schaulustige den Einsatz behinderten. Die Leitstelle der Feuerwehr dementierte Berichte, dass die Polizei dem Notarzt erst den Zugang auf das Gelände ermöglichen musste. Notarzt und Sanitäter hätten sich bei dem Einsatz im Innenhof von einer wachsenden Zahl Schaulustiger bedrängt und bedroht gefühlt, deshalb sei kurz nach Beginn die Polizei alarmiert worden.

Die Pressesprecherin der Feuerwehr, Bianka Olm, stellte die Situation am Donnerstag anders dar. Sie bestätigte die Information der Leitstelle, dass es keine Behinderungen gegeben habe. Zur Wahrnehmung der Einsatzkräfte vor Ort wollte sie sich nicht äußern. Die Polizei sei allerdings nur aus dem Grund alarmiert worden, dass die Todesursache der Frau unklar war.

Wie es bei der Leitstelle der Wehr weiter hieß, hätte ein Bewohner den Notruf gewählt und einen medizinischen Notfall gemeldet, nämlich einen Kreislaufstillstand bei der Frau. Mit telefonischen Anweisungen aus der Notrufzentrale hätte der Anrufer bis zum Eintreffen des Rettungswagens eine sogenannte Laienreanimation versucht, die aber letztlich erfolglos blieb. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen. Hinweise auf eine Straftat gibt es nicht. Woran die Frau starb, soll eine für den Mittwoch angesetzte Obduktion klären.

Wie es im Präsidium hieß, seien nur drei Polizisten auf dem Gelände gewesen. Allerdings sicherten starke Kräfte auf der Straße den Einsatz ab. Dies ist üblich, da Polizisten in der Vergangenheit mehrfach vom Gelände aus angegriffen wurden. Das Grundstück an der Bezirksgrenze zu Kreuzberg war 1990 besetzt, danach aber schnell legalisiert worden. Die Bewohner haben seit einigen Jahren Mietverträge mit 30-jähriger Sicherheit. Freiflächen des Grundstücks werden als Wagenplatz benutzt, die Köpi gilt als eines der Zentren der linken und linksextremistischen Szene.

Die Gewerkschaft der Polizei ist empört. "Es kann nicht sein, dass Rettungskräfte und Polizisten behindert werden, wenn sie ihre Arbeit machen wollen. Aktionen wie letzte Nacht zeigen, dass einige Menschen die Grundzüge unserer Demokratie nicht respektieren. Derartige Eingriffe gefährden Menschenleben und unseren Rechtsstaat", sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro. "Das sollten wir von keiner politischen Richtung tolerieren."

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