Hetzjagd in Charlottenburg : „Ein Gefühl tiefer Trauer und Ohnmacht“

Die Polizei hat alle Beteiligten an der Hetzjagd in Charlottenburg gefasst. Hunderte Menschen gedachten am Dienstag des getöteten Giuseppe M. an der Unfallstelle.

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Mahnwache. Viele Trauernde legten Botschaften an der Unfallstelle nieder, wie die Mitarbeiter des Weekend-Clubs, in dem Giuseppe M. gearbeitet hat.
Mahnwache. Viele Trauernde legten Botschaften an der Unfallstelle nieder, wie die Mitarbeiter des Weekend-Clubs, in dem Giuseppe...Foto: dapd

Drei Männer wurden gefasst, doch nur zwei von ihnen gelten als mutmaßliche Täter. Nach der tödlichen Hetzjagd am vergangenen Sonnabend in Charlottenburg hat die Mordkommission den Tathergang weitgehend aufgeklärt. Wie berichtet, waren Giuseppe M. und sein Begleiter Raul S. auf dem U-Bahnhof Kaiserdamm angegriffen und verfolgt worden. In Panik lief M. auf die Straße und wurde überfahren.

Die Ermittler gehen davon aus, dass nur die beiden am Sonntag verhafteten Neuköllner Ali T. (21) und Baris B. (22) ihre beiden Opfer im U-Bahnhof Kaiserdamm geschlagen und auf die Straße gejagt haben. Beide wohnen im Rollbergkiez und sind der Polizei bereits wegen Raubes, Diebstahls und Körperverletzung bekannt.

„Die dritte Person gilt bislang nur als Zeuge“, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag. Die beiden Verhafteten hatten zwar eine kleine Auseinandersetzung zugegeben, bestreiten aber die anschließende Hetzjagd. Zudem seien sie alkoholisiert gewesen. Zeugen bestätigen jedoch, dass die Verfolger nur ganz knapp hinter Giuseppe M. waren, als dieser von dem Auto erfasst wurde. Beide Männer sitzen seit Sonntag wegen Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft. Das Problem für die Ermittler ist, dass auf den Überwachungsvideos vom U-Bahnhof zwar die anfänglichen Pöbeleien zu sehen sind, aber nicht der spätere Angriff und die Verfolgung. Giuseppes Freund Raul S. ist deshalb für die Staatsanwaltschaft der wichtigste Zeuge.

Mit einer bewegenden Trauerfeier hatten am Montagnachmittag mehrere hundert Menschen am Unfallort Abschied von Giuseppe genommen. Kurz nach 16 Uhr stiegen weiße Luftballons in den Himmel. Auf der Mittelinsel, direkt neben der Stelle, an der der 23-Jährige in den Armen seines Freundes starb, legten Angehörige, Bekannte und Anwohner weiße Rosen nieder. Kondolenzkarten und Kerzen versanken in einem Meer aus Blumen. „Lieber Giuseppe, ich werde dich nie vergessen. Dein Tod macht mich sprachlos und unfassbar traurig“, hatte ein Freund auf ein Pappschild geschrieben.

„Das hätte jedem von uns passieren können“, sagte eine Schulfreundin von Giuseppe. „Ich kann es immer noch nicht glauben.“ Immer wieder nahmen sich seine Freunde gegenseitig in den Arm, einige brachen weinend zusammen und mussten sich auf den Boden setzen. „Er war immer ein ganz positiver und fröhlicher Mensch“, erzählt ein junger Mann.

„Wir müssen uns fragen, wie wir mit solch schrecklichen und sinnlosen Gewaltausbrüchen umgehen sollen“, sagte Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD), die bei der Mahnwache den Eltern ihr Beileid aussprach. Der Andrang war zwischenzeitlich so groß, dass die Polizei den Kaiserdamm stadtauswärts für knapp 20 Minuten komplett sperren musste. Unter den Trauergästen befand sich auch der als Tatortkommissar Max Ballauf bekannte Schauspieler Klaus Behrendt. Ein Sohn von ihm war mit Giuseppe befreundet.

Die Betreiber des bekannten Clubs Weekend, in dem der 23-Jährige gearbeitet hat, legten einen Abschiedsbrief zwischen die Blumen. „Giuseppe war ein ganz, ganz feiner Kerl“, steht darauf. „Wir sind total geschockt“, sagte eine Mitarbeiterin des Clubs.

Im Internet gibt es hunderte Beileidsbekundungen. „Hoffentlich werden nun Lehren daraus gezogen, so dass er nicht umsonst sein junges Leben lassen musste“, kommentiert ein User. „Wir werden Giuseppe als einen liebenswerten, lebensfrohen und engagierten jungen Mann in Erinnerung behalten, der in seinem Leben nur Sinnvolles tun wollte und es am Ende auf so sinnlose Weise lassen musste“, schreiben die Soulsängerin Joy Denalane und Rapper Max Herre. Sie kannten den 23-Jährigen als Praktikanten aus ihrer Plattenfirma. Zurück bleibe für die Musiker „ein Gefühl tiefer Trauer und Ohnmacht.“

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