Polizei & Justiz : In der Kiste lag nur Spielzeug Bombenalarm bei der Jüdischen Gemeinde. Joachimstaler Straße gesperrt

Jörn Hasselmann

Ein verdächtiger Gegenstand hat gestern früh vor einem jüdischen Gemeindehaus in der Joachimstaler Straße einen Bombenalarm ausgelöst. Von 8 Uhr bis 9.30 Uhr war die Straße gesperrt. Die Holzkiste wurde zunächst von Spezialkräften geröntgt und dann vorsichtshalber vom Entschärfungskommando des Landeskriminalamtes gesprengt. Der Inhalt war jedoch harmlos: zwei Spielzeugautos, ein Modellflugzeug und ein Plastikritter.

Völlig unklar ist, wer die Obstkiste im Eingang des Hauses abstellen konnte – es wird rund um die Uhr von mehreren Polizisten überwacht, zudem sind mehrere Videokameras installiert. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Gideon Joffe, wollte sich zum Sicherheitssystem nicht äußern. Es werde jedoch überprüft, ob und was verbessert werden kann.

Die Kiste war kurz vor acht Uhr früh dem privaten Sicherheitsdienst der Jüdischen Gemeinde aufgefallen, hieß es bei der Polizei. Dort sind verschiedene Büros der Gemeinde, ein Buchladen und eine Synagoge. Ob den Wachschutzpolizisten vor dem Haus die Person aufgefallen ist, die die Kiste dort abgestellt hat, blieb unklar. Ein Polizist, der zur Absperrung eingesetzt war, sagte offen: „Da hat einer seinen Job nicht gemacht.“

Die Auswirkungen auf den Berufsverkehr waren enorm. Die Hauptzufahrtsstraße zur Westcity war 90 Minuten voll gesperrt, auch der Eingang zum U-Bahnhof Kurfürstendamm wurde geschlossen. Das Haus wird wie andere jüdische und israelische Objekte scharf bewacht, 2003 wurden dort metergroße Betonklötze auf Gehweg und Parkstreifen gegen Autobombenanschläge aufgestellt. Zudem wird der Bereich vor dem Altbau mit Videokameras überwacht. Dies ist seit einer Änderung des Polizeigesetzes im Jahr 2002 für sogenannte „Gefährdete Objekte“ erlaubt, sagte die Sprecherin des Berliner Datenschutzbeauftragten, Anja-Maria Gardain (siehe Kasten).

Für den Besitzer der Spielzeugkiste hat der umfangreiche Polizeieinsatz keine Konsequenzen. Da der Inhalt nicht „bösartig“ war, gibt es keine Strafanzeige und keine Ermittlungen. Schusseligkeit sei nicht strafbar, hieß es. Seitdem die Terrorgefahr auch in Deutschland gestiegen ist, gibt es pro Tag durchschnittlich zwei derartige Einsätze in der Stadt.

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