Initiative : Gemeinsam Gewalt gestoppt

Jugendkrawalle in den Spandauer Arkaden waren der Auslöser, damit Jugendliche und Polizei gemeinsam auf Streife gehen. Der Erfolg kann sich sehen lassen.

Rainer W. During

„Wir haben einen Stimmungswechsel erreicht“, sagt Raed Saleh. Der arabischstämmige Spandauer SPD-Abgeordnete ist Initiator der Aktion „Stark gegen Gewalt“, die gestern Abend einjähriges Bestehen feierte. Der Versuch, Jugendliche unterschiedlicher Herkunft zu animieren, Verantwortung für ihren Kiez zu übernehmen, ist ein Erfolg geworden.

Die Idee entstand nach Jugendkrawallen im Einkaufszentrum Spandau Arcaden. Gemeinsam mit Beamten vom Polizeiabschnitt 21 suchte Saleh das Gespräch mit den Jugendlichen. Als Ergebnis gehen junge Spandauer gemeinsam mit Polizisten in ihrem Kiez auf Streife. Prompt ging die Jugendgewalt um bis zu 20 Prozent zurück. Auf dem Frühlings- und dem Oktoberfest am Rande der Neustadt zeigte man Dauerpräsenz und die zuvor häufigen Gewalttaten blieben fast völlig aus. Polizeidirektor Frank Brinker spricht von einem „gigantischen Erfolg“ des Projektes. Es brachte nicht nur einen „signifikanten Rückgang von Straftaten“, auch das Verhältnis der jungen Migranten zur Polizei sei jetzt viel unvoreingenommener, was Einsätze im Kiez erleichtere.

Sportveranstaltungen sind für viele Jugendliche der Einstieg bei „Stark ohne Gewalt“. Dort werde aus „dem Türken“ plötzlich „der Türke, der auch Basketball spielt wie ich“, beschreibt Saleh den Wandel in den Köpfen. Rund 100 junge Spandauer deutscher, arabischer, russischer und türkischer Abstammung fungieren als Türöffner in ihren Kiezen. Zunächst auf Alt- und Neustadt begrenzt, ist man jetzt auch im Falkenhagener Feld mit seinem hohen Anteil an Russlanddeutschen unterwegs. Inzwischen gibt es auch hier erste positive Erfahrungen. Die Jugendlichen laufen nicht mehr vor den Kiezstreifen weg, sondern suchen das Gespräch.

Längst ist „Stark gegen Gewalt“ kein reines Jugendprojekt mehr. Beim Frühlingsfest kam spontan ein türkischstämmiger Großvater dazu. Das brachte den Abgeordneten auf die Idee, an Eltern und Großeltern zu appellieren, in ihrer Freizeit in den Schulen als zusätzliche Pausenaufsicht zu fungieren, Ehrenamt statt Wachschutz. Deshalb soll das Beispiel Schule machen und zur Bildung weiterer Initiativen anregen. Der Abgeordnete plant schon die nächste Aktion. Demnächst werden Jugendliche mit „Stark gegen Gewalt“-Shirts und -Mützen Spandauer Buslinien begleiten und so ein Zeichen gegen Übergriffe auf die Fahrer setzen. Rainer W. During

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