Interview : Bernhard Witthaut: "Wowereits Maßnahmen kommen zu spät"

GdP-Chef Bernhard Witthaut spricht im Interview mit Tagesspiegel Online über die Sicherheitsmaßnahmen von Klaus Wowereit und kritisiert den Umgang mit Alkohol.

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Bernhard Witthaut ist seit vergangenem Jahr Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.
Bernhard Witthaut ist seit vergangenem Jahr Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.Foto: dpa

Herr Witthaut, zuletzt ist es in Berlin vermehrt zu Übergriffen in U-Bahnhöfen gekommen. Ist die Stadt unsicherer geworden?

Die Kriminalitätsstatistik sagt zwar, dass die Anzahl an Gewalttaten rückläufig ist. Aber es ist klar zu erkennen, dass die die Sicherheit in einigen Bereichen stark abgenommen hat. Das sieht man an den Übergriffen an öffentlichen Stätten.

Liegt das tatsächlich daran, dass zu wenig Sicherheitspersonal vorhanden ist?

Der Fehler lag darin, dass der Schwerpunkt auf Videoüberwachung und die technische Ausstattung gelegt wurde,  aber es gab keine Leute, die sich die Videos auch anschauen konnten. Es gibt einfach nicht genug die Polizisten.

Deshalb hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nun angekündigt, 200 Polizisten einzustellen.

Das ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, aber er kommt viel zu spät. Wir haben schon seit Jahren gefordert, dass das Personal aufgestockt wird. Doch Berlin hat über Jahre nur Personal abgebaut. Es reicht hinten und vorne nicht. Zudem greifen die von Klaus Wowereit eingeleiteten Maßnahmen erst im Jahr 2013, weil die Polizisten vorher ausgebildet werden müssen.

Wie kommt es, dass sie die Gewalttaten in Berlin zuletzt häuften?

Das hat auf jeden Fall mit dem vermehrten Missbrauch von Alkohol zu tun. Es ist erwiesen, dass viele Straftaten nach massivem Alkoholkonsum begangen werde. Die Aggressivität und Gewaltbereitschaft steigt dann. Deshalb müssen wir den Umgang mit Alkohohl in der Gesellschaft verändern.

Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Es darf zum Beispiel nicht sein, dass man an jedem Kiosk bis spät in die Nacht Alkohol bekommt und dass sich Jugendliche ins Koma saufen. Statistisch ist es belegt, dass Angriffe auf Polizisten zum Beispiel bis zu 70 Prozent von stark alkoholisierten Menschen verübt werden.

Sie plädieren also für ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit?

Mit Verboten erreicht man oft das Gegenteil. Aber man muss mehr Aufklärung bei den Jugendlichen leisten - wir müssen das verstärkt thematisieren. Ich halte die Altersbegrenzungen generell für richtig. Wir müssen den Zugang zum Alkohol allerdings erschweren.

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