Jugendgewalt : Acht Jahre Gefängnis für die Bluttat am See

Gestern verurteilte ein Jugendrichter den 17-jährige Täter zu acht Jahren Jugendstrafe. Er hatte einem jungen Mann ein Messer in den Rücken gestoßen. Der wollte nur helfen. Dass sich das nicht immer bezahlt macht, musste jetzt wieder ein Mann erleben.

Kerstin Gehrke/Jörn Hasselmann

BerlinNach dem tödlichen Messerangriff auf einen Badegast am Tegeler See im vergangenen Juni ist der 17-Jährige Täter gestern wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Der erstochene 23-jährige Darius E. musste sterben, weil er einem anderen Mann in einem banalen Streit um Müll am Strand helfen wollte - weil er Zivilcourage zeigte.

Auch in den vergangenen Wochen waren Berliner mehrfach von Randalierern heftig attackiert und schwer verletzt worden, nachdem sie sich diesen mutig in den Weg gestellt hatten. Ein neuer Fall ereignete sich vor zwei Tagen in einem BVG-Bus: Dort wurde ein 32-Jähriger von jungen Gewalttätern schwer verletzt. Er wollte sie daran hindern, gegen die Bustür zu treten. Gegen 22 Uhr hatte sich der 17-jährige Cihan D. in einem Bus der Linie M 41 mit seiner Freundin gestritten. Dabei zertrat D. eine Tür des Busses. Als sich ein 32-Jähriger einmischte, wurde er von Cihan und mehreren seiner Freunde angegriffen und schwer im Gesicht und am Rücken verletzt. Cihan D. flüchtete, wurde aber aufgegriffen. Obwohl er bereits knapp 20 Mal der Polizei auffiel, meist wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung, setzte ihn die Polizei wieder auf freien Fuß. Er wurde nicht dem Haftrichter vorgeführt, da die Schwere der Tat dies nicht rechtfertige, hieß es.

Geständnis wirkte strafmildernd

Im gestern zu Ende gegangenen Prozess gegen den Messerstecher vom Tegeler See wirkte sich das Geständnis des Täters strafmildernd aus. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn Erol A. in einem früheren Verfahren härter bestraft worden wäre. Das jedenfalls waren Überlegungen seines Verteidigers am Rande des nicht öffentlichen Prozesses. Nur zwei Monate vor der Bluttat war der Jugendliche zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Auch damals ging es um eine Messerattacke. Das Opfer, ein junger Mann, hatte Glück und überlebte. Bei dem Angriff am Tegeler See ging das Gericht den Angaben zufolge von einem Motivbündel aus: Erol A. wollte sich aus Sicht der Richter einerseits aufspielen, andererseits aber auch einem Kumpel helfen. Doch anders als die Anklage gingen die Richter nicht von einem Mord, sondern von einem Totschlag aus. Das Opfer sei nicht völlig arglos gewesen.

Vor dem tödlichen Angriff hatte es eine Schlägerei gegeben. Deshalb saßen drei Freunde von A. jetzt mit auf der Anklagebank. Die 17- bis 19-Jährigen wurden der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen. Für die ebenfalls geständigen Angeklagten endete der Prozess mit Bewährungsstrafen. Einer von ihnen soll während des laufenden Prozesses erneut gewalttätig geworden sein.

Streit um Müll

Der folgenschwere Streit am 12. Juni 2007 an der Badestelle „Im Saatwinkel“ hatte mit der Aufforderung eines Badegastes an die Angeklagten begonnen, Müll aufzuheben. Diese fühlten sich offenbar provoziert und gingen auf den Mann los. Darius E. wollte dem in Bedrängnis geratenen Mann helfen, rang mit einem Kumpel von Erol A. und wurde erstochen.

Unterdessen sind seit gestern zwei weitere junge Serientäter auf richterlichen Beschluss in Heime im brandenburgischen Frostenwalde und in Berlin eingewiesen worden. Es handelt sich um den 16-jährigen Dennis K. und seinen gleichaltrigen Komplizen Rachid L. Die beiden hatten am 8. Januar im S-Bahnhof Plänterwald einen 30-jährigen Fahrgast schwer verletzt, der sie vom Randalieren abhalten wollte.

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