Jugendgewalt : Neuköllner SPD-Bürgermeister unterstützt Koch

Wegsperren - abschieben: Der Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), trägt die Forderung von Roland Koch nach einer stärkeren Anwendung des Erwachsenenstrafrechts für jugendliche Straftäter mit. Er hält dem hessischen Ministerpräsidenten aber auch Fehler vor.

Berlin"Schnell und hart muss die Reaktion insbesondere auf die ersten Gewalttaten erfolgen, und zwar bei über 18-Jährigen nach dem Erwachsenenstrafrecht als Regel", sagte Buschkowsky dem Magazin "Wirtschaftswoche". Bei "Hardcore-Serientätern" laufe der Erziehungsgedanke des Jugendstrafrechts ins Leere.

"Schon um weitere Opfer zu vermeiden, müssen diese Unbelehrbaren weggesperrt und bei Ausländern - da wo es rechtlich möglich ist - auch abgeschoben werden", sagte Buschkowsky. Eine Verschärfung des Strafrechtes hält er allerdings für unnötig. "Wir müssen das bestehende Recht nur konsequent anwenden." Auch sei Koch bei diesem Thema völlig unglaubwürdig. Er habe Stellen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten abgebaut und die Gelder für Gewaltprävention gestrichen.

Berlin-Neukölln: Zahl der Intensivtäter sprunghaft gestiegen

Eine Debatte über Jugendgewalt ist dringend erforderlich, sagte Buschkowsky. "In unserem Bezirk haben wir es mit 149 Intensivtätern zu tun." Diese Zahl habe sich in den vergangenen zwei Jahren verdreifacht. "Um es klar zu sagen: Es sind nicht alle Migranten Gewalt- und Serientäter. Wir reden über eine winzige Minderheit, die aber kapitalen Schaden im Sozialgefüge anrichtet", so Buschkowsky. Gewalttäter hätten fast immer Gewalt am eigenen Leib erfahren. "Es ist unstrittig, dass der Gewaltfaktor bei der Erziehung südosteuropäischer, arabischer oder türkischer Eltern bis zu dreimal größer ist als bei deutschen Familien", sagte er.

Buschkowsky verteidigte Unternehmen gegen den Vorwurf, sie stellten zu wenige Migranten ein und verschärften damit das Problem. "Die Unternehmer interessiert überhaupt nicht, ob jemand schwarze oder blonde Haare hat. Der Migranten-Jugendliche wird genauso wie der Deutsche eingestellt. In Neukölln allerdings können Unternehmen Ausbildungsplätze nicht besetzen, weil die Bewerber nicht wissen, wie viel 10 Prozent von 100 sind. Das ist das Problem." (smz/ddp)

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