Jugendkriminalität : Serientäter nicht zurück im Heim

Der 13-jährige Serientäter Adnan F. ist bislang nicht wieder ins Erziehungsheim im brandenburgischen Frostenwalde zurückgebracht worden. Und deshalb befürchten die Ermittler weitere Straftaten.

Tanja Buntrock

Fest steht derzeit nur eines: Der 13-jährige Serientäter Adnan F. ist bislang nicht wieder zurückgebracht worden ins Erziehungsheim im brandenburgischen Frostenwalde. Und deshalb befürchten die Ermittler, dass der Junge mal wieder tut, was er seit Jahren nicht lassen kann: Straftaten begehen.

Eltern, Jugendamt und Familienrichter hatten gehofft, dass man den Jungen in Frostenwalde zur Räson bringen könnte. Doch aus dem Erziehungsheim war der 13-Jährige – wie berichtet – kürzlich ausgebüxt, bevor er am Freitag in Berlin erneut auf einem gestohlenen Roller erwischt wurde. Zuletzt war der Junge Anfang Juli auf der Flucht vor der Polizei in Neukölln mit einem gestohlenen Moped gestürzt und hatte dabei eine Passantin schwer verletzt. Anschließend kam Adnan F. ins Erziehungsheim für schwer kriminelle Kinder. Gitter hat das Haus nicht, kilometerweite Wälder sollen die Insassen an der Flucht hindern. In Adnans Fall vergeblich.

Nun denkt offenbar auch Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) über Lösungen nach: Angesichts steigender Jugendkriminalität will sich von der Aue nicht mehr der Debatte über geschlossene Heime für straffällige Jugendliche verschließen. „Ich weiß, dass wir nicht umhinkommen, darüber nachzudenken“, sagt die Senatorin. Die Prognose eines Ermittlers, der Adnan gut kennt, klingt hingegen düster: „Bei dem Jungen hilft nichts mehr.“ Man könne nur abwarten bis Adnan am 14. November 14 Jahre alt und somit strafmündig wird. „Vielleicht gelingt es dann, seine kriminelle Karriere zu unterbrechen“, sagt der Polizeibeamte.

Der Sohn libanesischer Kriegsflüchtlinge bereitet der Polizei viel Arbeit: Schon mehr als 100 Ermittlungsverfahren – darunter Raub, Körperverletzung, Diebstahl und sexuelle Nötigung – stehen in seiner Akte. Doch Folgen hatte das für den Jungen bislang nicht. „Wenn wir ihn festnehmen, interessiert ihn das gar nicht“, sagt der Ermittler. „Er sitzt dann auf der Polizeiwache wie ein kleiner König und grinst.“ Schließlich wisse der Junge genau, dass ihm rechtlich nichts passieren kann. Auch die Eltern fühlten sich überfordert. Die Religionsführer eines arabischen Moscheenvereins hatten ebenfalls versucht, auf das kriminelle Kind einzuwirken – vergeblich. Vor einiger Zeit seien Eltern dann aus ihrem Kreuzberger Kiez nach Lichtenberg gezogen, um „den Jungen aus seinem Umfeld zu holen“. Doch Adnan treibt sich weiterhin in Kreuzberg und Neukölln herum. Nachdem er am Freitag mit einem gestohlenen Roller erwischt worden war, brachten Polizisten ihn zum Jugendnotdienst. Ob er dort noch ist, wollte ein zuständiger Mitarbeiter nicht sagen.

Der Ermittler jedoch glaubt nicht daran. Es sei immer dasselbe Spiel. Nach kurzer Zeit spaziere Adnan aus dem Notdienst heraus, denn gegen seinen Willen dürfen die Pädagogen ihn nicht dort festhalten. Irgendwann träfen die Ermittler ihn dann auf der Straße und fragten, warum er nicht in der Schule ist. „Ich muss Geschäfte machen“, antworte Adnan ihnen dann. Tanja Buntrock

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