Justiz : Mehr Schwarzfahrer im Gefängnis

Immer häufiger landen Schwarzfahrer im Gefängnis. Der Grünen-Politiker Benedikt Lux plädiert für Arbeit statt Knast.

Tanja Buntrock

Wie Justizsprecher Bernhard Schodrowski bestätigte, wurden im vorigen Jahr 8511 Passagiere des Öffentlichen Nahverkehrs verurteilt, weil sie kein gültiges Ticket hatten. Das seien 1538 mehr gewesen als im Jahr 2007. Der Großteil der Verurteilten – nämlich 7700 – kam mit einer Geldstrafe davon. Es seien aber auch 480 Haftstrafen verhängt worden.

In 140 Fällen wurden die Strafen nicht mal mehr zur Bewährung ausgesetzt, die Beschuldigten mussten tatsächlich in die Zelle. Auch wer seine Geldstrafe nicht zahlen kann, muss die Strafe hinter Gittern absitzen. Es gibt aber noch das Angebot „Schwitzen statt Sitzen“ der Justiz – als Alternative zur Ersatzfreiheitsstrafe. Das bedeutet: Die Schwarzfahrer können ihre Strafe mit gemeinnütziger Arbeit abgelten. Doch dazu ist ein Großteil der Verurteilten nicht bereit. Sie gehen stattdessen in den Knast und verursachen Kosten von 80 Euro pro Tag und pro Person.

Benedikt Lux, Grünen-Politiker, plädiert schon seit langem dafür, dass die Ersatzfreiheitsstrafe gestrichen wird. Dies sei für die Justizverwaltung viel billiger, zudem würden die Gefängnisplätze nicht unnötig blockiert. „Die Richter sollten das Schwarzfahren als Bagatelldelikt einstufen“, meint Lux. Zu bedenken sei nämlich auch, dass diejenigen, die wegen einer vergleichsweise geringfügigen Tat ins Gefängnis kommen, „im Knast erst recht kriminell werden durch das kriminelle Umfeld dort“. Justizsprecher Schodrowski: „Wir bieten gemeinnützige Arbeit an. Aber wenn die Verurteilten dies nicht annehmen, bleibt nur die Ersatzfreiheitsstrafe übrig, denn immerhin wurden die Leute verurteilt, auch wenn es keine Schwerkriminellen sind.“

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