JVA in Berlin-Tegel : Nach der Katz' nun ein Hund im Knast

Vor zwei Jahren schickte die Justiz Katzen in den Knast, um die Gefangenen zu beglücken. Nun gibt es sogar einen "Therapiehund" in der JVA Tegel. Die Häftlinge meckern trotzdem.

Hund und Katze machen nicht alle Menschen glücklich.
Hund und Katze machen nicht alle Menschen glücklich.Foto: imago/Westend61

Knackis sind wie kleine Kinder, schwer zufrieden zu stellen, meckern immer. So erzählen es die Bediensteten im Knast. Ärger gibt es regelmäßig, wenn die Justiz mal etwas Neues ausprobiert. Am Wochenende klingelte beim Tagesspiegel das Telefon, dran ist ein ebenso erregter wie empörter Häftling: "Ein Kampfhund ist im Hof".

Am Montag Nachfrage in der JVA Tegel: "Ein Hund?" Tatsächlich, allerdings kein Kampf-, sondern ein "Therapiehund", wie die Anstaltsleitung versicherte. Ein mal pro Woche komme jetzt der Malteser-Hilfsdienst mit einem Hund - einem "Mini-Pitbull" in das Haus der "SVer". Sicherungsverwahrte sind Täter, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit auch nach Verbüßung der Haft im Gefängnis bleiben müssen. Anders als die Gefangenen sei der schneeweiße Hund "ein ganz lieber", versicherte ein Bediensteter. Eine Handvoll Männer habe eine Stunde mit dem Hund Bällchen werfen gespielt. Anschließend sei der Hund erschöpft gewesen.

Ein Gefangener protestierte schriftlich gegen die „Einpferchung“ der Tiere

Vor zwei Jahren hatte die Anstalt das eh schon vorhandene Kätzchen legalisiert und im SVer-Haus eine Kammer für das Tier hergerichtet. Auch damals kam sofort eine Beschwerde: Ein Sicherungsverwahrter protestierte schriftlich gegen die „Einpferchung“ der Tiere und dass „das Gebäude zum Stall umfunktioniert wird“. Die Antwort schrieb Anstaltsleiter Martin Riemer damals höchstselbst, sie könnte unverändert auch für den Hund gelten. „Die bisherigen Erfahrungen mit Tieren im Justizvollzug haben gezeigt, dass der Umgang mit Tieren grundsätzlich soziale Fähigkeiten wie Rücksichtnahme, Geduld, Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen und den Aufbau von Verantwortung."

Phrophezeiungen aus den Zellen, dass der "Kampfhund" ganz sicher die Kätzchen fressen werde, dementierte die JVA energisch. Hund und Katz hätten sich beschnuppert, das war's.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben