JVA Tegel : Justizbeamter wegen Bestechlichkeit vor Gericht

Für 200 Euro könnte ein Beamter der JVA Tegel seinen Job aufs Spiel gesetzt haben. Er soll einem Häftling mit Lebensmitteln und Handys versorgt und im Gegenzug diese Summe erhalten haben. Nun steht er vor Gericht.

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Bestechung Berlin
Geld gegen Gefallen oder Genehmigung: Das gibt es auch in Berlin. Jährlich wird in bis zu 400 Fällen ermittelt. -Foto: dpa

Mal brachte der Gefängniswärter ein Kilo Fleisch für einen Häftling mit, dann eine Hautcreme. So viel steht wohl fest. Doch zwischen dem Beamten der JVA Tegel und dem verurteilten Steuerbetrüger soll es mehr gegeben haben: Geld für illegale Leistungen, Korruption. Vor dem Amtsgericht haben die 55 und 39 Jahre alten Männer gestern solche Vorwürfe vehement bestritten. Nach ihrer Version handelte es sich um Gefälligkeiten.

„Es ging um Grundbedürfnisse eines Insassen“, sagte der Anwalt des damaligen Strafhäftlings. Nahrungsmittel, Kosmetika. „Dafür wurden die Aufwendungen ersetzt und mehr nicht.“ Zu Handys, die der Beamte zwischen Mai und November 2007 ebenfalls eingeschleust haben soll, wolle sich sein Mandant nicht äußern. Auch wie das Geld für die „Mitbringsel“ übergeben wurde, wollte der Steuerbetrüger, der damals eine Strafe von dreieinhalb Jahren verbüßte, nicht beschreiben. Der Beamte, der seit Oktober 2009 suspendiert ist, ließ über seinen Anwalt erklären, dass er zwar Fleisch und Creme mitgebracht hatte, dafür aber nur das ausgelegte Geld „und nichts darüber hinaus“ bekommen habe.

Sie sahen sich fast täglich. Der Häftling durfte in der Hauskammer arbeiten. Dort war auch der Beamte tätig. „Ein gutmütiger Mensch“, sagte ein anderer JVA-Mann über ihn. Das Verhältnis der beiden Angeklagten sei „sehr locker, fast freundschaftlich“ gewesen, sagte der Zeuge. Sein Kollege habe möglicherweise „manchmal die professionelle Distanz verloren“. Geldübergaben aber habe er nie gesehen. Die Anklage geht davon aus, dass der Häftling dem Beamten für die Lieferungen „vereinbarungsgemäß zwischen 20 und 200 Euro“ gezahlt habe. Von zwei Fällen ist die Rede, für die es aber keine konkreten Daten gibt. Zudem soll der Beamte dem Häftling gegen Bezahlung Auskünfte über in der JVA Tegel inhaftierte Personen erteilt haben. Auch das bestritten sie. Und die Beweise scheinen dünn. Der Steuerbetrüger, der wegen der Vorwürfe in U-Haft saß, kam gestern gegen Meldeauflagen frei. Der Prozess um Bestechung wird am Dienstag fortgesetzt. Kerstin Gehrke

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