KaDeWe-Einbruch : Verwechslungsgefahr: Brüder bleiben strikt getrennt

Die verdächtigen Zwillinge beziehen nach dem KaDeWe-Coup Zellen in Moabit. Abbas O. wurde bereits zwei Mal verurteilt - bekam aber immer Bewährung.

Tanja Buntrock

Nun ist zumindest einer der mutmaßlichen KaDeWe-Einbrecher aus Niedersachsen nach Berlin in die Justizvollzugsanstalt Moabit überführt worden. Der Gefangenentransporter, in dem Hassan O. saß, traf am Dienstag gegen 12.30 Uhr aus Lüneburg in der Untersuchungshaftanstalt ein. Sein Zwillingsbruder Abbas O. wurde getrennt von ihm aus Hannover kommend nach Berlin gebracht. Nach Justizangaben sollte er am Abend, spätestens aber am Mittwoch, in Berlin ankommen. „Um Verwechselungen auszuschließen, wurden sie getrennt aus verschiedenen niedersächsischen Vollzugsanstalten nach Berlin gebracht“, hieß es. Auch in Moabit werden die Zwillinge in unterschiedlichen Häusern untergebracht.

Die beiden 27-jährigen Brüder, die einem libanesischen Großfamilienclan angehörigen und in Rotenburg (Wümme) wohnen, sind in Niedersachsen bereits wegen verschiedener Delikte polizeibekannt. Nach Tagesspiegel-Informationen ist Abbas O. bereits im Jahr 2003 vom Amtsgericht Rotenburg wegen Rohheitsdelikten zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Diese wurde allerdings zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt. Und auch im September vorigen Jahres stand Abbas O. wieder vor dem Richter – diesmal wegen Einbruchs. Doch Abbas O. musste erneut nicht ins Gefängnis: Er bekam neun Monate auf Bewährung.

Die Ermittler sind überzeugt, dass der Juwelencoup im KaDeWe vom 25. Januar ebenfalls auf das Konto der Brüder geht. Sie waren am vergangenen Mittwoch an einer Autobahnraststätte nahe der Stadt Rotenburg (Wümme) von einem Mobilen Einsatzkommando (MEK) aus Berlin festgenommen worden. Nun prüfen die Berliner Ermittler auch Zusammenhänge zu anderen, ebenfalls perfekt ausbaldowerten Juwelendiebstählen. So gab es in den vergangenen zwei Jahren drei ähnliche Einbrüche: im Einkaufszentrum „Centro“ in Oberhausen, bei einem Juwelier in Krefeld und in der Christ-Filiale eines Shoppingcenters in Kassel. Ob die Fahnder auch dort DNA-Spuren gefunden hatten, die möglicherweise mit den gefundenen Spuren im KaDeWe übereinstimmen, war gestern nicht zu erfahren.

Ein Experte vom Internationalen Juwelierwarndienst, der Raub- und Einbruchs taten bei Juwelieren dokumentiert, sagte: „Ich gehe davon aus, dass es Hintermänner aus Südosteuropa gibt. Die Festgenommenen waren wahrscheinlich nur diejenigen, die den Einbruch ausgeführt haben.“ Dafür spräche auch, dass die Beute nach wie vor verschwunden ist.

Mindestens drei Täter waren an jenem Sonntag in das geschlossene Kaufhaus eingestiegen und hatten Schmuck und Uhren des Juweliers Christ im Wert von rund fünf Millionen Euro gestohlen. Nach mindestens einem weiteren Täter fahndet die Polizei noch. Bei der Festnahme waren neben den MEK-Fahndern auch Berliner Ermittler des Fachkommissariats dabei. Vor dem Haftrichter hatten die Brüder die Möglichkeit, sich zu dem Verdacht der Ermittler zu äußern. Doch Hassan und Abbas O. schwiegen.

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