Kind in Hellersdorf verhungert : 20-jährige Mutter und deren Freund wegen Mordes vor Gericht 

Der kleine Max wurde nur zwei Tage alt. Als man die Leiche in einer Plastiktüte entdeckte, war auch eine Mütze dabei. „Mami’s Liebling“ stand darauf. Nun steht die Mutter wegen Mordes vor Gericht. Daneben ihr Freund.

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Nadine K., 20 Jahre alt, und der ein Jahr ältere Ronny B. hätten das Baby grausam verhungern und verdursten lassen, heißt es in der Anklage. Die Mutter und ihr Partner gaben große Fehler zu, aber Tötungsabsicht bestritten sie. Sie hätten das Baby geliebt, den kleinen Leichnam noch zehn Tage im Gefrierfach behalten, immer wieder „rausgeholt und mit ihm gekuschelt“.

Die Angeklagte war 14 Jahre alt, als sie ihr erstes Kind zur Welt brachte. Dieser Junge und auch ihr zweiter Sohn, heute drei Jahre alt, leben in Pflegefamilien. Es ist in ihrem Leben vieles schief gegangen. Im November 2012 zog sie zu Ronny B., der ebenfalls aus schwierigen Verhältnissen kommt und keinen Job hatte. Nadine K. war schwanger. Der 21-jährige B. wusste das. Er habe das Kind aber wie ein eigenes annehmen und sich darum kümmern wollen, sagte er. B. war dabei, als der Junge am 13. März in der Badewanne in seiner Wohnung in Hellersdorf zur Welt kam.

Warum war die Mutter nicht in eine Klinik gegangen? „Ich hatte Angst vor Ärzten und außerdem keine Krankenkassenkarte“, hieß es in einer Erklärung, die sie über ihre Verteidigerin abgab. Was mit dem Kind geschah, tue ihr sehr leid. „Ich hatte die gesundheitliche Situation des Kleinen völlig falsch eingeschätzt.“ Sie habe beim dritten Kind alles richtig machen wollen. „Ich wollte ihn behalten.“

Anteilnahme in Berlin-Hellersdorf
Während die Polizei den gewaltsamen Todes eines Babys aufklärt, nehmen Berliner Bürger in Hellersdorf Anteil an der Tat. Am Fundort des Leichnams in einem Waldstück stellten sie Kerzen und Kuscheltiere auf.Alle Bilder anzeigen
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15.04.2013 12:21Während die Polizei den gewaltsamen Todes eines Babys aufklärt, nehmen Berliner Bürger in Hellersdorf Anteil an der Tat. Am...

Auch ihre ersten Söhne hätten nach der Geburt nicht viel getrunken. Sie hätten dem kleinen Max abgekochtes Wasser gegeben, weil es mit dem Stillen nicht klappte. Ronny B. sagte, er habe sich dann Geld von seinem Vater geborgt und Anfangsmilch gekauft. Als der Junge am zweiten Tag nicht mehr atmete, seien sie völlig verzweifelt gewesen. Dem toten Jungen hätten sie dann noch feine Kleidung angezogen. „Wir haben ihn doch geliebt, wir konnten nicht loslassen.“

Ronny B. vergrub die Leiche in einem Naturschutzgebiet nur 150 Meter von der Wohnung entfernt. Anfang April machten Spaziergänger den grausigen Fund. Eine Wochen später wurden die Angeklagten verhaftet. Der Staatsanwalt geht von einem grausamen Mord und niedrigen Beweggründen aus. Der kleine Max, der sieben Wochen zu früh geboren wurde, hätte zum Überleben medizinische Hilfe gebraucht. Diese aber hätten ihm die junge Mutter und ihr Lebensgefährte nicht zukommen lassen. Die Verhandlung wird am 7. Oktober fortgesetzt.

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