Kindesmissbrauch : Auf der Mädchentoilette abgepasst

Ein vorbestrafter Sexualstraftäter wollte eine Achtjährige auf der Mädchentoilette in der Grundschule in Adlershof missbrauchen. Nun wurde er zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt.

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Berlin - Der Sexualstraftäter lauerte in der Mädchentoilette. Es war Mittagspause in einer Grundschule in Adlershof, als eine achtjährige Schülerin die linke Kabine betrat. Als sie die Toilette verlassen wollte, griff der fremde Mann zu. „Eine unfassbare Sache“, ließ Sebastian H. am Montag über seinen Verteidiger erklären. Er gab zu, dass er das Mädchen sexuell berühren wollte. Weil sie geistesgegenwärtig reagierte, floh der vorbestrafte Vergewaltiger. Wegen versuchter sexueller Nötigung und versuchten Missbrauchs sowie Hausfriedensbruchs wurde er zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Sebastian H. ist 25 Jahre alt. Doch bereits als 16-Jähriger war er in eine Schule geschlichen, um nach einem Opfer zu suchen. Auch damals hockte er in einer Kabine. Damals aber hielt er seinen Opfern ein Messer an den Hals. Im April 2001 wurde Sebastian H. schließlich zu einer Jugendstrafe von vier Jahren Haft verurteilt. Sebastian H. verbüßte die Strafe bis auf den letzten Tag. „Es fand keine Aufarbeitung mit der Straftat statt“, hieß es im Gutachten bei seiner Entlassung im Oktober 2004. Vier Jahre lang stand der Mann ohne Beruf unter Führungsaufsicht. Zuletzt arbeitete er als Aushilfskellner.

Am 19. April habe er sich in einer schwierigen Situation befunden, ließ Sebastian H. erklären. Trennung von der Freundin, Verlust des Jobs. Er sei ziellos durch die Stadt gefahren. Um seine Notdurft zu verrichten, habe er das Schulgebäude betreten. „Den Tatentschluss fasste er erst auf der Toilette“, sagte der Verteidiger. In einer Erklärung vor einem Monat hatte H. erklärt: „Ich wollte sie berühren, mehr nicht.“ Der Angreifer zog sich seine Jacke über den Kopf, um nicht erkannt zu werden. Doch das Mädchen behielt die Nerven. „Es kommt gleich eine Freundin“, sagte sie. Ihre Mitschüler würden bereits auf sie warten. „Er ließ von dem Kind ab, weil er Angst vor Entdeckung hatte“, sagte der Verteidiger. Früher hatte H. behauptet, er habe die Kleine laufen lassen, weil sie „so jung“ war.

Das Mädchen berichtete einer Lehrerin sofort von dem Vorfall. Die Schule erstattete Anzeige. Die Kinder gingen in diesen Tagen nur noch in Gruppen zur Toilette. Ein Fingerabdruck führte schnell zu Sebastian H., der nur zwei Tage nach dem Überfall verhaftet wurde. Während er im Prozess ein Geständnis ablegte, saß sein Opfer mit seinen Eltern vor der Saaltür. Doch eine Aussage war nicht mehr erforderlich. Dass Sebastian H. als Angeklagter „zur Schonung der Geschädigten“ beigetragen hat, wurde strafmildernd gewertet. Kerstin Gehrke

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