Kindesvernachlässigung in Berlin-Reinickendorf : Dreijähriger hing über Fensterbrüstung - im fünften Stock

Müll, Gestank und Tierkot, dazwischen ein dreijähriges Kind. Gleich in zwei Fällen von Kindesvernachlässigung musste die Polizei am Wochenende den Kindernotdienst einschalten.

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Foto: dpa

Gleich zweimal mussten Polizeibeamte am Wochenende in Reinickendorf den Kindernotdienst einschalten, weil Dreijährige in Gefahr beziehungsweise extrem vernachlässigt waren: So riefen am Freitagabend gegen 18.45 Uhr zwei Passantinnen die Polizei, da sie am offenen Fenster einer im fünften Obergeschoss gelegenen Wohnung ein kleines Kind sahen. Dieses hing bereits mit dem Oberkörper über der Brüstung. Nur mit viel Mühe konnten die beiden Frauen den Jungen – später stellte sich heraus, dass er drei Jahre alt war – dazu bringen, vom Fenster zurück in die Wohnung zu gehen.

Als die verwirrt wirkende Kindesmutter den alarmierten Beamten die Tür öffnete, schlug ihnen fauliger Gestank entgegen. In der Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung lagen überall Mülltüten mit Abfall, teils verdorbene Lebensmittel sowie benutzte Windeln. Unrat und schmutzige Wäsche bedeckten die Fußböden. Der Dreijährige wurde zum Kindernotdienst gebracht. Gegen die 22-jährige Mutter wird wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht ermittelt.

Am Sonnabend wurde der Rettungsdienst der Feuerwehr zu einer Wohnung in Reinickendorf gerufen, weil dort eine 36-jährige Frau angeblich einen Schwächeanfall erlitten hatte. Diese stellte sich als stark alkoholisiert heraus. Da die Drei-Zimmer-Wohnung extrem verdreckt und ein Kleinkind anwesend war, wurde die Polizei gerufen. Auf den Fußböden lagen leere Alkoholflaschen, Bierdosen, und Wäscheteile. Dazwischen hatten Hund oder Katze ihre Fäkalien hinterlassen. Im Zimmer der dreijährigen Tochter konnte ein beißender Tiergeruch festgestellt werden, der vermutlich vom dort lebenden Meerschweinchen ausging. In Absprache mit dem Kindernotdienst begaben sich Mutter und Tochter in die Wohnung des Großvaters. Gegen die Mutter sowie den ebenfalls 36-jährigen Vater des Kindes ermittelt das zuständige Fachkommissariat des Landeskriminalamtes.

Im vergangenen Jahr waren bei der Polizei insgesamt 526 Fälle von Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht registriert, 2011 waren es 580 Fälle gewesen. Für dieses Jahr liegen noch keine Zahlen vor.

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