Köpenick : 72-jähriger Waffennarr schoss auf Polizisten

Ein Hobbyschütze aus Berlin hat am Sonntag um sich geschossen und auch bei Polizisten keine Ausnahme gemacht. Beamte fanden im Wochenendhaus des 72-jährigen Köpenickers Pistolen, Gewehre und Munition. Der Schütze soll psychisch krank sein.

Sandra Dassler,Hannes Heine

Ein 72-jähriger Hobbyschütze aus Berlin hat am Sonntag auf seinem Wochenendgrundstück in Wendisch Rietz um sich geschossen und auf Polizisten gefeuert. Ein Schuss habe einen 38-jährigen Beamten an der Hüfte getroffen, teilte die Polizei in Fürstenwalde mit. Der Beamte sei aber nicht verletzt worden, weil die Kugel durch Kleidung und eine Handytasche abgelenkt worden sei.

Nach Tagesspiegel-Recherchen stammt der 72-Jährige aus Köpenick. Anwohner in Wendisch Rietz hatten die Polizei verständigt, nachdem sie am Abend auf dem Grundstück des Mannes Schüsse gehört hatten. Als die Beamten eintrafen, soll er sich mit seiner 65-jährigen Frau im Haus verbarrikadiert, auf ein geschlossenes Fenster geschossen und die Beamten als Terroristen beschimpft haben. Dann öffnete er laut Polizei die Tür und feuerte auf den 38-jährigen Beamten.

Der Tochter des Mannes, die in der Zwischenzeit informiert worden war, gelang es, ihren Vater zu beruhigen. Sie überredete ihn, die Waffe wegzulegen. Die Polizei nahm ihn vorläufig fest. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 1,72 Promille. Bei der Durchsuchung des Wochenendhauses wurden unter anderem sieben Pistolen und Revolver, zwei Luftgewehre, Jagdmesser und über 1000 Schuss Munition sichergestellt.

Ob der Mann, der nach Aussagen von Anwohnern öfter mal auf seinem Grundstück geschossen haben soll, dauerhaft in Wendisch Rietz lebt, war gestern nicht zu erfahren. Die Polizei bestätigte, dass im Zusammenhang mit dem Vorfall am gestrigen Nachmittag auch eine Wohnung in Köpenick durchsucht wurde. Ob dort ebenfalls Waffen und Munition lagerten, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. Der Mann soll laut ersten Erkenntnissen der Polizei einem Schützenverein angehört haben und wegen psychischer Probleme in ärztlicher Behandlung sein. Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) verwies aber darauf, dass die Befragung des Mannes noch nicht beendet sei. Heute wolle man entscheiden, ob Haftbefehl wegen versuchten Totschlags beantragt wird.

Ob der 72-Jährige einen Waffenschein besitzt, ist nicht bekannt. In Berlin waren 2008 offiziell mehr als 56 000 Waffen von 19 000 Sportschützen, Sammlern oder Jägern registriert – also von Privatpersonen. „Das ist viel zu viel“, sagte der Berliner Chef der Gewerkschaft der Polizei, Eberhard Schönberg: „Wieso muss ein Sportschütze mehr als zwei Waffen haben?“ Leider, erklärte Schönberg, werde die Erlaubnis, scharfe Waffen zu besitzen, nur dann entzogen, wenn bei dem Eigentümer eine „charakterliche Nichteignung“ festgestellt worden ist. „Das geschieht oft erst im Zusammenhang mit Gerichtsverfahren“, sagte Schönberg. Zuständig für das Ausstellen der sogenannten Waffenbesitzkarten ist in Berlin die Waffenbehörde, eine Dienststelle des Landeskriminalamts. Eine Altershöchstgrenze zum Besitz von Waffen gibt es nicht. Wer in Berlin eine Waffe besitzen will, muss zuvor einige Tests durchlaufen und erhält später eine personen- und waffenspezifische Besitzkarte. Die Behörde prüft drei Jahre nach Erteilung der ersten Erlaubnis das Fortbestehen des Bedürfnisses, eine Waffe zu besitzen. „Doch wer einmal eine Waffe legal gekauft hat, behält sie in der Regel sehr lange“, sagte Daniel Wölky, Strafrechtsexperte in Berlin. Er rechnet mit einer weiteren Verschärfung des Waffenrechts. Das war bereits im Juni geändert worden – drei Monate nachdem ein 17-Jähriger in Winnenden bei Stuttgart 15 Menschen erschossen hatte.

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