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Krankenhaus-Gelände in Berlin-Schöneberg : Kopfschuss-Opfer war polizeibekannt

Einen Tag nach der Schießerei auf dem Gelände des Auguste-Viktoria-Krankenhauses in Berlin-Schöneberg ist der Zustand des Opfers noch immer kritisch. Der 36-Jährige war bereits straffällig geworden, doch die Hintergründe der Tat sind noch unbekannt.

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Auf dem Gelände des Auguste-Viktoria-Klinikums in Berlin-Schöneberg ist am Mittwochmorgen ein Mann durch einen Kopfschuss schwer verletzt worden.Alle Bilder anzeigen
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04.09.2013 14:15Auf dem Gelände des Auguste-Viktoria-Klinikums in Berlin-Schöneberg ist am Mittwochmorgen ein Mann durch einen Kopfschuss schwer...

Der 36-Jährige lag Polizeiangaben zufolge auch am Donnerstagmorgen noch auf der Intensivstation, sein Zustand bleibt kritisch. Der Mann mit türkischem Migrationshintergrund war am Mittwochmorgen auf dem Gelände des Schöneberger Auguste-Viktoria-Klinikums (AVK) durch einen Kopfschuss verletzt worden.

Obwohl das Opfer der Polizei bereits bekannt ist liegen die Hintergründe der Tat noch im Dunkeln. Auch ein Suizidversuch werde nicht ausgeschlossen, sagte ein Sprecher. Zeugen wollen einen Mann beobachtet haben, der nach dem Schuss schnell weglief. Die Suche mit Spezialhunden blieb bislang ohne Ergebnis.

Nur in Polizeibegleitung durften Patienten und Pflegekräfte das Gelände am Mittwochvormittag durchqueren. Schließlich handelte es sich hier um einen Tatort. Gegen 8 Uhr war der Schuss im Park gefallen. Der 36-Jährige wurde von einer Kugel in den Kopf getroffen und lebensgefährlich verletzt. Das Opfer war zum Tatzeitpunkt kein Patient.
Es gibt laut Polizei mehrere Zeugen, die kurz vor dem Schuss einen lautstarken Streit zwischen mehreren Männern auf einer Parkbank gehört haben wollen. Die kleine Grünanlage befindet sich im Innenbereich des Klinikgeländes. Dann soll ein Schuss gefallen sein.

Die Rettungsstelle des Krankenhauses. Von hier aus hörten Patienten den Streit.
Die Rettungsstelle des Krankenhauses. Von hier aus hörten Patienten den Streit.Foto: Tanja Buntrock

Da die Rettungsstelle des Klinikums ebenfalls an den kleinen Park grenzt, sei sofort Krankenhauspersonal zur Stelle gewesen, das Erste Hilfe leistete. Das Opfer wurde auf einer Intensivstation notoperiert. Das Projektil wurde erfolgreich aus dem Kopf entfernt. Danach kam der Schwerverletzte zur Weiterbehandlung ins Klinikum Neukölln.

Eine Sprecherin des Vivantes-Konzern, zu dem das AVK gehört, bestätigte, dass der Mann zum Zeitpunkt der Tat kein Patient des Klinikums war. Das Gelände sei ein öffentlich zugänglicher Bereich. Ob der Mann am Mittwochmorgen dort war, um jemanden zu besuchen, konnte die Sprecherin nicht sagen. Nach Tagesspiegel-Informationen soll sich der 36-Jährige vor rund zwei Monaten als Patient in ärztlicher Behandlung im AVK befunden haben. Warum es auf dem Klinikgelände offenbar zu einem Treffen mit mehreren anderen Männern kam, sei noch Gegenstand der Ermittlungen, hieß es bei der Polizei.

Ermittler der Mordkommission und der Spurensicherung rückten an und sperrten das Gebiet rund um den Tatort ab. Dort fanden sie neben der Parkbank eine Waffe, es soll sich um die Tatwaffe handeln. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass mehrere Personen kurz nach der Tat in ein Nebengebäude zur Befragung gebracht wurden. Festnahmen habe es bislang aber keine gegeben.

Um eine Fährte zu dem Mann aufzunehmen, der kurz nach dem Schuss schnell davongegangen sein soll, setzte die Polizei drei speziell ausgebildete Suchhunde, sogenannte Mantrailer, ein. Die Bayerischen Gebirgshunde Miss Marple, Afra und Merowa schnüffelten durch den Park, doch eine Spur konnten die Spezialhunde erst einmal nicht aufnehmen.

Unter den Patienten, die außerhalb der Absperrung spazieren gingen oder sich eine Zigarette im Bereich der „Raucherinsel“ anzündeten, war der Schuss am frühen Morgen das Gesprächsthema. Ein Patient im Rollstuhl erzählte den anwesenden Journalisten und anschließend den Polizeiermittlern, dass er fünf „arabisch aussehende Personen“ an der Parkbank gesehen haben will. Nachdem es knallte, sei einer von ihnen in einer schwarzen Lederjacke „schnellen Schrittes“ davongegangen. Die anderen Männer seien kurz darauf von der Polizei zur Vernehmung mitgenommen worden.

Die meisten Patienten waren zwar verwundert, dass auf dem Gelände geschossen wurde, unsicher fühlte sich aber keiner von ihnen. Sie vermuten, dass es sich um private Streitereien handelte.

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