Krawalle : Bundespolizist als Mai-Randalierer verurteilt

Ein 24-jähriger Polizist aus Frankfurt am Main warf am 1. Mai in Kreuzberg Pflastersteine auf seine Kollegen. Er verlor seinen Job - und wurde jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Kerstin Gehrke

Bundespolizist Reik L. stand bei den diesjährigen Maikrawallen in Kreuzberg auf der Seite der Randalierer. Daran gab es für das Amtsgericht gestern nach sechswöchigem Prozess keine Zweifel. Drei Kleinpflastersteine habe der 24-Jährige auf Polizisten geworfen, befanden die Richter. Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung wurde Reik L. zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Gericht entsprach damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert.

Reik L. war damals Beamter auf Probe am Flughafen Frankfurt (Main) und bei der Passkontrolle tätig. Am 1. Mai hatte er frei und einen Bekannten in Berlin besucht. Zusammen waren sie gegen 23 Uhr in der Adalbertstraße unterwegs. Ein anderer Bundespolizist, der ebenfalls privat unterwegs war und L. nicht kannte, will ihn dort beim Randalieren beobachtet haben. „Der Angeklagte stand seitlich hinter mir, holte aus, warf“, erklärte der 34-Jährige. Verletzt wurde offenbar niemand.

Der Zeuge verlor den mutmaßlichen Werfer zunächst aus den Augen, sah ihn in der U-Bahn jedoch wieder und verständigte per Telefon seine Kollegen. Alle seien erschüttert gewesen, als klar war, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen Polizisten handelte. Als der Festgenommene seine Mutter anrufen wollte, soll er sich auf dem Weg zum Telefon voller Reue gezeigt haben. Im Prozess schwieg L., der durch den Vorfall seine Stellung verloren hat. „Gezielt und mit erheblicher Wucht“ habe der Angeklagte geworfen, begründete die Richterin das Urteil. Bei derartigen Ausschreitungen bestehe „ein besonderes Bedürfnis zur Strafe“. Die Aussagen des Zeugen seien detailliert und glaubhaft.

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