Kreuzberg : Täter wollten Großbrand

Das Feuer in Kreuzberg ist von Brandstiftern gelegt worden. Das Altpapier wurde an mehreren Stellen angezündet. Das Unternehmen steht nach dem Brand vor dem Ruin.

Das Großfeuer auf dem Kreuzberger Recyclinghof ist von Brandstiftern gelegt worden. Der Geschäftsführer der „Papierbank“, Ferdinand Hirsch, sprach gestern von mehreren Brandherden, an denen das Feuer gleichzeitig gelegt worden sein soll. Die Täter hätten am Mittwoch die Zeit zwischen Betriebsschluss um 18 Uhr und der Ankunft des Wachschutzes um 20 Uhr ausgenutzt. Die Brandkripo hat gestern Mittag die Ermittlungen übernommen, eingesetzt wurden auch Spürhunde. Von dem oder den Tätern gibt es keine Spur, auch das Motiv ist unklar. Der Papierbank-Geschäftsführer betonte, dass die vernichteten Wertstoffe nicht versichert gewesen seien. „Es geht um unsere Existenz“, sagte Hirsch. Die Firma handelt vor allem mit Altpapier, das gegen einige Cent pro Kilo abgegeben werden kann. In der kommenden Woche will Hirsch den Betrieb wieder aufnehmen.

Wie berichtet, war das Feuer kurz vor 20 Uhr entdeckt worden; hunderte Schaulustige kamen angelockt durch die dramatisch große und tiefschwarze Rauchwolke an das Spreeufer. 130 Feuerwehrleute hatten den Großbrand erst nach mehr als fünf Stunden unter Kontrolle, bis gestern Mittag dauerte die Arbeit an. „Wenn ein Ballen brennt, dann brennt er“, sagte ein Feuerwehrmann. Mit Radladern wurden die Ballen deshalb auseinandergerissen, damit die Glut erstickt werden konnte. Eingesetzt wurde Schaum, weil der besser in die Ballen eindringt als Wasser. Diese – schwach giftige – Chemikalie konnte überwiegend in die Kanalisation geleitet werden, nur wenig soll nach offiziellen Angaben in die Spree geflossen sein.

So schlecht sich gepresstes Papier in Ballen löschen lässt, so schwierig ist es auch anzuzünden. Eine weggeworfene Zigarettenkippe reiche nicht, hieß es. Dennoch gilt ein Rauchverbot auf dem Gelände an der Köpenicker Straße. Überwiegend verbrannte Papier, aber auch Plastik und Styropor, denn die Papierbank handelt auch mit anderen Wertstoffen. Giftig sei die Qualmwolke dennoch nicht gewesen, versicherte ein Feuerwehrsprecher: „Wir haben keine nennenswerten Konzentrationen gemessen.“ Wegen des beißenden Qualms war die Polizei am Abend mit Lautsprecherwagen durch die angrenzenden Straßen gefahren und hatte Anwohner aufgefordert, die Fenster geschlossen zu halten.

Im Vergleich zum Brand im Schmöckwitzer Reifenlager im April 2005 – dem größten der Nachkriegsgeschichte – sei dieses Feuer deutlich kleiner gewesen, sagte Einsatzleiter André Baumann gestern. Damals hatten 20 000 Kubikmeter Altreifen tagelang gebrannt. Weitaus giftiger war jedoch die Qualmwolke aus der Bernauer Plastikmülldeponie im gleichen Jahr, die auch über Berlin gezogen war. Das Feuer hatte ein Anwohner gelegt, der sich über die überfüllte Kippe geärgert hatte.

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