Kriminalität : ''Das war grauenhaft''

Eine Drogensüchtige hat Überfälle im Seniorenheim gestanden. Das Gericht verurteilte sie zu vier Jahren Haft.

Die Sucht ließ die 25-Jährige immer rücksichtsloser werden. Zuletzt stieß Angela A. eine Rentnerin in deren Wohnung in einem Seniorenheim zu Boden, raubte eine Handtasche und sperrte die gebrechliche Frau ein. „Ich musste doch ständig Geld besorgen, das war grauenhaft“, gestand die Angeklagte gestern. Als 14-Jährige saß Angela A. erstmals vor Gericht. Inzwischen hat sie 14 Vorstrafen.

Jahrelang klaute sie bei jeder Gelegenheit. Diesmal aber ging es neben Diebstahl auch um Raub, Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Vor vier Monaten hatte sie bei einer Seniorin geklingelt. Als die Frau vorsichtig die Tür öffnete, drängte sich Angela A. sofort in den Flur. Sie erzählte von ihrem Vater, der auch in dem Altenwohnheim in Mitte lebe und gaukelte der Rentnerin vor, dass sie ihm eine Nachricht hinterlassen müsse. Kurz darauf stieß sie ihr Opfer heftig gegen den Oberkörper und griff nach der Handtasche, die neben dem Bett stand.

Es war ihr zweiter Überfall in dem Seniorenheim. Bereits im Februar hatte Angela A. einen betagten Rentner bestohlen. Auch in diesem Fall hatte sie von ihrem Vater berichtet und um einen Zettel gebeten, um ihm einen Brief zu schreiben. „Hätten Sie vielleicht ein Glas Wasser“, lenkte sie den hilfsbereiten Mann ab. Als er in der Küche war, durchsuchte sie seine Jackentaschen und floh mit 105 Euro. In einem weiteren Fall der Anklage hatte sich Angela A. in einer U-Bahn das Handy einer 13-jährigen Schülerin „geliehen“ – und war mit ihrer Beute ausgestiegen. Ein Fahrgast aber stellte die Diebin.

Einen Beruf hat sie nie gelernt. „Ich habe so viel Drogen genommen“, sagte die seit ihrem 14. Lebensjahr abhängige Frau. Ihre verzweifelte Mutter schloss sie einmal ein. Doch Angela A. sprang aus dem zweiten Stock und kam mit zwei Frakturen ins Krankenhaus. Etliche Entgiftungen brach sie ab. Im vergangenen Oktober kam sie nach zehn Monaten Haft frei. Die guten Vorsätze hielten nur bis zur nächsten Party. „Eine Therapie ist meine einzige Chance“, sagte die Angeklagte gestern. Das Gericht verurteilte sie zu vier Jahren Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. K. G.

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