Kriminalität : Mord an Joggerin: Die Polizei sucht einen Teenager

Eine Charité-Psychologin wurde morgens im Spandauer Stadtforst erstochen. Die Polizei fahndet nach einem Unbekannten - hat aber neue Erkenntnisse zum Täter. Bisher sind rund 50 Hinweise aus der Bevölkerung bei der Polizei eingegangen.

Tanja Buntrock
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Foto: Polizei

Sie hat schwer krebskranke Patienten betreut und ihnen geholfen, mit den seelischen Belastungen ihrer Krankheit fertig zu werden. Seit acht Jahren arbeitete die Diplom-Psychologin und Psychoonkologin Kirsten S. am Campus Benjamin Franklin der Charité in Steglitz. Sonnabendfrüh wurde die 39-Jährige, wie berichtet, Opfer eines Mordes: Die Sportlerin wurde im Spandauer Forst von einem in weiß gekleideten Mann erstochen.

Eine Beziehungstat schließen die Ermittler aus. „Es war mit Sicherheit ein Fremder, der sie getötet hat“, sagt der Leiter der 7. Mordkommission, Thomas Scherhandt. Die Polizei fahndet nach dem Unbekannten. Zudem haben die Ermittler neue Erkenntnisse zum Täter.

Der Gesuchte wurde vor der Tat von Passanten im Wald gesehen. Es soll sich um einen sehr jungen Mann oder Jugendlichen handeln – schätzungsweise 15 bis 20 Jahre alt. Er ist circa 1,75 Meter groß, hat kurze, mittel- oder dunkelblonde Haare und wird als „gepflegte Erscheinung“ beschrieben. Auffällig an ihm ist, dass er in einem weißen Oberteil und einer langen weißen Hose unterwegs war und mit einem knallroten Fahrrad flüchtete. Die Ermittler schließen nicht aus, dass der Täter psychisch krank ist.

Es war kurz vor 9 Uhr, als Kirsten S. – verheiratet, ohne Kinder – mit ihrem Ehemann zum Sporttreiben in den Stadtforst im Spandauer Ortsteil Hakenfelde ging. Wie ein Ermittler sagte, habe sich das Paar spontan entschlossen, in den Forst zu fahren. Die Eheleute wohnen wenige Kilometer entfernt in einem Einfamilienhaus an der Havel. Während ihr Mann, ein passionierter Läufer, zum Joggen auf einer größeren Route aufbrach, machte S. ihre Chi-Gong-Übungen – eine chinesische Meditations- und Bewegungslehre mit Kampfkunst-Elementen. Sie suchte sich dafür ein Plätzchen  im „Jagen 31“, nahe Kuhlake. Plötzlich tauchte der komplett in weiß gekleidete Mann vor ihr auf und stach sie mit einem Messer nieder. Das Opfer starb noch am Vormittag in einer Klinik.

Doch noch bevor Kirsten S. das Bewusstsein nach der Attacke verloren hatte, war es ihr gelungen, einem Passanten den Täter zu beschreiben. Dieser hatte kurz Hilfeschreie gehört und war zu der verletzten Frau geeilt. Auch er soll den Täter noch gesehen haben. „Als die Frau die Übungen machte, waren keine Leute direkt in der Nähe, in der Umgebung aber schon“, beschreibt der Ermittler. Der Stadtforst sei sehr beliebt als Ausflugsziel, für Spaziergänger, und Jogger und andere Sportler. „Es sind um die Zeit eigentlich immer Leute in der Nähe.“ Rund 50 Hinweise sind bis zum Montagmittag bei der Mordkommission eingegangen.

Die Fahnder haben sich auch auf umliegende Einrichtungen und psychiatrische Abteilungen wie der des Vivantes Klinikums Spandau bei ihren Befragungen konzentriert. „Wir ermitteln in alle Richtungen. Doch auch wenn der Täter psychisch krank ist, heißt es noch nicht, dass dieser auch in Behandlung war“, sagte der Ermittler.

Einen Zusammenhang zu dem rätselhaften Mordfall vom 28. Dezember 2001 sehen die Ermittler derzeit nicht: Damals war im Volkspark Wilmersdorf gegen 6:15 Uhr der 52-jährige Jürgen Bohm beim Joggen ermordet worden. Es ist einer der rätselhaftesten Fälle der vergangenen Jahre. Bis heute konnte die Tat nicht aufgeklärt werden. Es gibt keine direkten Zeugen, und es gibt kein Motiv. Der Unternehmensberater und Vater zweier Kinder hatte nur ein paar Mark für frische Schrippen dabei. Er brachte für gewöhnlich nach dem Joggen immer das Frühstück für die Familie mit. An jenem 28. Dezember kam er jedoch nicht heim. Der Täter hatte Jürgen Bohm mit 23 Messerstichen in den Kopf getötet. Auch hier hatte die Polizei sofort nach der Tat einen Zeugenaufruf veröffentlicht. Eine Frau will von Weitem einen Streit gehört haben. Doch selbst der Aufruf in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ brachte die Ermittler nicht weiter.

Hinweise zum aktuellen Fall nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 030 - 4664 - 911 701 sowie an jeder Polizeidienststelle entgegen.

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