Kriminalität : Polizist schießt auf Angreifer

In Friedrichshain ist ein Polizeibeamter auf dem Forckenbeckplatz von einem Mann attackiert worden. Der Beamte greift zur Waffe und drückt ab. Der Angreifer wird verletzt. Inzwischen wurden fünf Verdächtige festgenommen.

Jörn Hasselmann

Aus einer Gruppe von fünf jungen Männern (18 bis 19 Jahre) heraus ist in der Nacht zu Sonntag in einer Parkanlage ein Zivilpolizist so massiv angegriffen worden, dass dieser seine Dienstwaffe zog und zwei Schüsse abgab. Nachdem ein Schuss in die Luft die Angreifer nicht stoppte, feuerte der 33-jährige Polizeihauptmeister dem 19-jährigen Hauptangreifer in den Unterschenkel. Trotz der stark blutenden Verletzung gelang es dem Heranwachsenden zunächst zu fliehen. Er wurde jedoch mit drei seiner Komplizen nach 150 Metern gegen 1.30 Uhr von Kollegen des Beamten eingeholt und festgenommen.

Der fünfte Heranwachsende wurde gestern Mittag in seiner Wohnung festgenommen. Wie immer bei Schussabgaben durch einen Polizisten ermittelt die Mordkommission. Ein politisches Motiv sei nicht zu erkennen, hieß es gestern. Keiner der fünf Beteiligten ist als politischer Täter bislang aufgefallen, nur einer ist wegen Diebstahls bekannt. Unklar blieb gestern, wie stark die Männer alkoholisiert waren.

Der Beamte war im Rahmen einer „Brandstreife“ – also auf der Suche nach linksextremistischen Autobrandstiftern – allein in der Grünanlage unterwegs; seine Kollegen waren jedoch in der Nähe. „Die haben sich einfach den Falschen ausgesucht“, sagte ein Beamter gestern. Erschreckend sei, dass die Angreifer sich von dem Warnschuss nicht beeindrucken ließen. Unklar blieb gestern, ob sie den 33-Jährigen ausrauben oder ohne Anlass angreifen wollten. Gekannt haben sie den Beamten dem Vernehmen nach nicht. Der Polizist arbeitet sonst nicht in Friedrichshain, sondern als Streifenbeamter in einem Abschnitt in Tiergarten.

Am frühen Abend hieß es, dass gegen zwei der fünf Angreifer ermittelt werde, die anderen sollen sich nicht beteiligt haben. Sie sollten am späten Abend wieder auf freien Fuß kommen. Beim Tatvorwurf Körperverletzung gebe es keine Haftgründe, hieß es. Der Haupttäter wird im Krankenhaus behandelt. Wie die anderen wohnt er im Kiez, der 19-Jährige hatte 2007 und 2009 in zwei Kurzfilmen mitgewirkt, die in Kooperation mit dem Grips-Theater entstanden.

Der Zivilpolizist wurde leicht verletzt. Bei dem Gerangel im Park hatte er seine Dienstwaffe verloren, diese wurde erst Stunden später in einem Laubhaufen wiedergefunden. Zur Ausleuchtung des Parks wurde sogar eine Drehleiter der Feuerwehr mit Flutlicht angefordert.

Kollegen des Beamten lobten dessen Einsatz als hochprofessionell. „Trotz der deutlichen Überzahl hat er die Besonnenheit gehabt, in den Unterschenkel zu zielen“, hieß es. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) lobte, dass das Schießtraining bei der Polizei nach den tödlichen Schüssen auf den Beamten Uwe Lieschied vor drei Jahren deutlich verbessert worden sei, „professioneller und realistischer“, sagte Rolf Kaßauer vom BDK. Allerdings könnte die Zahl der Übungsstunden noch erhöht werden.

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