Kriminalität : Razzia gegen Rocker

Bei einem Großeinsatz in Clubhäusern und bei zwei Boxwettkämpfen hat die Polizei in der Nacht zum Sonntag 219 Personen aus dem Rockermilieu überprüft und zahlreiche Waffen sichergestellt. Drei Menschen wurden festgenommen.

Christoph Stollowsky

BerlinIntensive Ermittlungen und Razzien - die Polizei geht weiterhin massiv gegen die Rockerszene vor, nachdem der 33-jährige Rocker und ehemalige Hells Angel, Michael B. wie berichtet Mitte August in Wartenberg erschossen worden ist. In der Nacht zum vergangenen Sonntag gab es erneut einen Großeinsatz von mehr als hundert Beamten. Sie kontrollierten bis zwei Uhr früh in mehreren Clubhäusern der verfeindeten Hells Angels und Bandidos sowie auf zwei Boxveranstaltungen insgesamt 219 Rocker. Dabei wurden zahlreiche gefährliche Gegenstände beschlagnahmt wie Messer, Macheten, Beile, Teleskopschlagstöcke, Schlagringe und Baseballschläger. Zu den Mördern von Michael B. gibt es allerdings noch immer keine heiße Spur.

Bereits am Wochenende direkt nach der Tat hatten starke Polizeikräfte Razzien in Clubs und Treffpunkten der Rockerszene durchgeführt. Anlass für den jetzigen erneuten Vorstoß waren auch die zwei Boxveranstaltungen am Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg und in der Lehderstraße in Weißensee. "Bei einem dieser Boxwettstreite hatten wir den Hinweis, dass ein größeres Kartenkontingent an Rockergruppen verkauft worden war", sagte gestern Abend ein Polizeisprecher. Daraufhin seien schon im Vorfeld beider Veranstaltungen sogenannte Aufenthaltsverbotsverfügungen gegen etliche Mitglieder der Clubs erlassen worden, was bedeutet: Es wurde ihnen untersagt, dorthin zu gehen.

Dennoch nahmen die Beamten vor der Boxhalle an der Lehderstraße noch drei Personen fest, weil sie das Verbot ignoriert hatten. Bei allen weiteren Kontrollen in den Clubhäusern und deren Umfeld wurden weitere 51 Aufenthaltsverbote gegen Rocker erlassen, die sich nach Erkenntnissen der Polizei gerade auf den Weg zu den Boxveranstaltungen machen wollten.

Mit solchen Razzien will die Polizei auch verhindern, dass die Gewalt unter den verfeindeten Rockerclubs weiter eskaliert. Nach den bisherigen Vermutungen der Fahnder könnten Mitglieder der Hells Angels den Mord an Michael B. begangen haben. Hintergrund sei möglicherweise ein Wechsel des späteren Opfers aus dem Kreis der Hells Angels in den Kreis der Bandidos, heißt es. Bisher gingen bei den 30 Beamten der ermittelnden Spezialeinheit mehr als 350 Hinweise ein. Sie wurden "schon alle abgearbeitet", so ein Polizeisprecher - doch bislang ohne Erfolg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar