Kriminalitätsstatistik : Berlin wird sicherer: 150.000 Straftaten weniger als 1996

Bei den Straftaten meldet Polizeipräsident Dieter Glietsch den geringsten Stand seit der Wiedervereinigung: Die Polizei hält vor allem ihr Konzept gegen Intensivtäter für erfolgreich.

Tanja Buntrock

Ob Mord und Totschlag, Raub, Gewalttaten oder Diebstahl – zum Jahresende kann Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch einen erfreulichen Trend verkünden: Die Gesamtzahl der Straftaten hat in diesem Jahr weiter abgenommen. Damit sei der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung und einer einheitlichen Kriminalitätsstatistik für beide Stadthälften erreicht. Im „Spitzenjahr“ 1996 gab es noch 594 400 Straftaten in der Hauptstadt. In diesem Jahr wird die Zahl voraussichtlich bei rund 445 000 Fällen liegen – drei bis vier Prozent weniger als im Vorjahr. „Wir sind mit der Entwicklung zufrieden, auch wenn es in einzelnen Bereichen Steigerungen gab“, sagt der Sprecher der Polizeibehörde, Frank Millert.

Vor allem, dass die Zahl von Rohheitsdelikten und Gewalttaten um fünf Prozent gesunken ist, sei erfreulich. Gar um 20 Prozent seien Raubüberfälle und Gewalttaten, die von mehreren Jugendlichen begangen werden, gesunken. Ein Grund dafür sei das erfolgreiche Intensivtäterkonzept, das es seit fünf Jahren gibt: Für jugendliche Gewalttäter mit mehr als zehn Straftaten pro Jahr ist immer derselbe Sachbearbeiter zuständig. Dies hat zwei Wirkungen: Unter den Jugendlichen spricht es sich herum, dass sie schnell im besonderen Blickfeld der Polizei stehen. Zudem wurden mehr Haftbefehle erwirkt, so dass viele dieser Intensivtäter keine Taten mehr begehen können. Aber auch die gezielte Präventionsarbeit, dass etwa Beamte in die Schulen gehen und Anti-Gewalt-Trainings machen, trage zum positiven Trend bei. Es gibt aber auch einen demografischen Grund: „Wir haben einen stärkeren Rückgang des Anteils junger Menschen an der gesamten Bevölkerung Berlins“, erklärt Frank Millert.

Ebenso wird voraussichtlich die Zahl der Tötungsdelikte in diesem Jahr rund zehn Prozent niedriger sein als im Vorjahr. Gar überdurchschnittliche Rückgänge sind bei Taschendiebstählen und Diebstählen aus Fahrzeugen zu verzeichnen. Vor allem bei den Taschendiebstählen macht sich die Arbeit der Sonderkommission „EG Tasche“ bemerkbar. „Es gibt kaum noch die sogenannten Klau-Kids in der Stadt“, sagt ein Ermittler. Die Ermittlungsgruppe war 2005 vor der Fußballweltmeisterschaft gegründet worden. Damals lag die Zahl der Taschendiebstähle bei rund 18 000 – jetzt ist sie auf etwa 11 000 gesunken. Dass die Diebstähle aus Autos – wie Radios oder Navigationsgeräte – rückläufig sind, sei der besseren technischen Sicherung zu verdanken.

Besorgniserregend hingegen sei der enorme Anstieg um 200 Prozent beim Ausspähen von Bankkarten. Beim sogenannten Skimming benutzen die Täter technische Hilfsmittel, um die Pin-Nummer von Leuten auszuspähen, die Geld am Bankautomaten abholen. So etwa ein Gerät, das auf die Eingabetasten montiert wird, oder aber eine kleine Kamera, die installiert wurde. Glietsch appelliert hier an die Geldinstitute, mehr für die Sicherheit ihrer Kunden zu tun.

Dass die Zahl der Fahrraddiebstähle (plus 15 Prozent) gestiegen ist, habe zwei Gründe: Aufgrund des teuren Spritpreises und des Streiks im Nahverkehr seien in diesem Jahr viele Menschen aufs Rad umgestiegen. „Und je mehr Räder herumstehen, desto mehr können auch geklaut werden“, sagt ein Ermittler. Auch mehr Wohnungseinbrüche (plus 13 Prozent) hat es in diesem Jahr gegeben: Vor allem viele Altbauwohnungen in den Innenstadtbezirken seien nicht genug gegen Einbrecher gesichert. So stiegen vor allem Täter in die Wohnungen ein, die sich mit der Beute ihre Drogen finanzieren. Oder aber die Einbrecher sind bandenmäßig organisiert: So hat die Polizei erst im November eine chilenische Einbrecherbande gefasst. Sie soll mehr als 60 Taten begangen haben. Aufgeflogen ist sie, als zwei Mitglieder gerade in eine Wohnung in der Wiener Straße in Kreuzberg eingedrungen waren.

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