Kriminalitätsstatistik : Massiver Rückgang bei Jugendgruppengewalt

Erfreuliche Nachricht: Die Jugendkriminalität in Berlin hat den niedrigsten Stand seit Beginn der Gesamtberliner Statistik 1991 erreicht. Allerdings steigt die Zahl der rechten Gewaltdelikte.

Tanja Buntrock,Frank Jansen

BerlinErfreuliche Nachricht: Die Jugendkriminalität in Berlin hat den niedrigsten Stand seit Beginn der Gesamtberliner Statistik 1991 erreicht. Erstmals sank auch die Zahl der Fälle von Jugendgruppengewalt – im Jahr 2008 gingen die Fälle um 32 Prozent auf 5471 Fälle (2007: 8075) zurück. Dies geht aus der „Polizeilichen Kriminalstatistik 2008“ hervor, die am Montag den Parlamentariern im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses vorgestellt wird und dem Tagesspiegel vorliegt.

Demnach gab es bei der Jugendkriminalität 31 861 Tatverdächtige unter 21 Jahren – das sind 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Ihr Anteil an allen Tatverdächtigen ging auf 23,6 Prozent zurück. Der Rückgang ist laut Polizei mit dem „sich fortsetzenden demografischen Wandel“ zu erklären – also weniger junge und mehr ältere Menschen. Statistisch gesehen waren im vorigen Jahr von 100 000 jungen Berlinern, die jünger als 21 Jahre waren, 8452 kriminell. Die Zahl der kriminellen jungen Frauen unter 21 Jahren stieg jedoch weiterhin an und liegt derzeit bei fast 28 Prozent.

Im Rahmen der Jugendgruppengewalt – bei den Delikten, wo also mindestens zwei Jugendliche oder mehr gemeinsam Straftaten begehen – wurden 3810 Tatverdächtige ermittelt. Der Anteil der Täter mit Migrationshintergrund liegt bei der Jugendgruppengewalt fast wie im Vorjahr bei knapp 44 Prozent. Als Gründe für den Rückgang der Jugendgruppengewalt nennt die Polizei weniger jugendtypische Delikte wie beispielsweise Raub sowie das Programm der „täterorientierten Ermittlungsarbeit“. Dass immer ein Sachbearbeiter für einen mehrfach-kriminellen jugendlichen Straftäter zuständig ist, habe sich bewährt. Zudem habe es eine „Verlagerung“ der Taten bei jungen Delinquenten gegeben: Von den Rohheitsdelikten hin zu Straftaten wie Wohnungseinbrüchen.

Zudem hat sich eine Veränderung im Hinblick auf „Straftaten an Schulen“ ergeben: Standen im Jahr 2007 noch Körperverletzungen und Sachbeschädigungen im Vordergrund, so war es im vorigen Jahr der einfache Diebstahl mit 1591 Taten und einer Steigerung um 356 Vorgänge. Auch der schwere Diebstahl an Schulen hat zugenommen: Um 12,7 Prozent auf 1064 Fälle. Besonders häufig wurden dabei Fahrräder gestohlen.

Einen deutlichen Anstieg verzeichnete die Polizei bei rechten Gewalttaten. Im vergangenen Jahr wurden 91 Delikte registriert, das sind 17 mehr als 2007. Damit entwickeln sich Berlin und Brandenburg in entgegengesetzte Richtungen. Das Potsdamer Innenministerium hatte eine beträchtliche Abnahme rechter Gewalt gemeldet (2008: 71 Delikte, 2007: 93). In Berlin wurden mit 63 Fällen mehr als zwei Drittel der rechten Gewaltdelikte im Ostteil verübt. An der Spitze liegt, wie 2007, der Bezirk Lichtenberg (15 Gewalttaten, im Jahr zuvor: 13). Eine deutliche Zunahme stellte die Polizei allerdings in Charlottenburg-Wilmersdorf fest (2008: 10 rechte Gewaltdelikte, 2007: 2).

Insgesamt ging die rechte Kriminalität in Berlin um sechs Prozent zurück (2008: 1377 Straftaten, 2007: 1471). Auffallend ist die Abnahme bei Volksverhetzungen (2008: 139 Fälle, 2007: 196). Von den rechten Delikten insgesamt waren 288 (273) fremdenfeindlich motiviert, antisemitisch 186 (218). Weitere 71 (84) Straftaten richteten sich gegen Linke.

Die Zahl der linken Straftaten sank dagegen um acht Prozent auf 680 (2007: 736). Sogar um zwölf Prozent nahmen die in der Summe enthaltenen linken Gewaltdelikte ab (2008: 165, 2997: 187). Vor allem bei „antikapitalistischen“ Brandanschlägen auf Pkw registrierte die Polizei einen enormen Rückgang (2008: 48, 2007: 90). Zugenommen haben indes die Angriffe von Linken auf tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten (2008: 38, 2007: 26). Die meisten linken Delikte, aber auch mit abnehmender Tendenz, wurden in Friedrichshain-Kreuzberg verübt (2008: 216, 2007: 298).

Bei der politisch motivierten Ausländerkriminalität zählte die Polizei 131 Straftaten (2007: 142). Die Zahl der Gewaltdelikte sank auf 22 (2007: 34). 

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