Update

Kriminalstatistik : Taschendiebstähle in Berlin gehen stark zurück

Berliner Polizei und die Bundespolizei vermelden Rückgänge bei Taschendiebstählen zwischen 30 und 50 Prozent im ersten Quartal 2017. Grund ist auch Abschreckung durch Gerichtsprozesse.

von
War 2016 noch ein Rekordjahr bei Taschendiebstählen, gehen die Zahlen in den ersten Monaten dieses Jahres stark zurück.
War 2016 noch ein Rekordjahr bei Taschendiebstählen, gehen die Zahlen in den ersten Monaten dieses Jahres stark zurück.Foto: Arno Burgi/dpa

Nachdem 2016 die Zahl der Taschendiebstähle ein Rekordhoch erreicht hatte, sind die angezeigten Fälle in den ersten Monaten dieses Jahres stark zurückgegangen – um 50,3 Prozent. Von Januar bis April waren es 7586 Fälle. Im Vorjahreszeitraum registrierte die Polizei 15.267 Taschendiebstähle.

Auch die Bundespolizei, die Bahnhöfe und Flughäfen sichert, spricht von rückgängigen Zahlen. Im ersten Quartal 2016 verzeichnete man dort 3257 Taschendiebstähle, im gleichen Zeitraum dieses Jahres waren es 2187. „Das ist ein Rückgang von rund 33 Prozent“, sagt Sprecherin Katrin Kalex.

Die Polizeieinsätze wurden erheblich verstärkt

Verantwortlich für die sinkenden Zahlen sind laut Polizei zum einen Präventionsmaßnahmen, wie etwa Warnungen via Twitter bei Großveranstaltungen. Im September 2016 sprühte die Polizei neonfarbene Piktogramme, die vor Diebstahl warnen sollten, an der Warschauer Brücke auf die Straße. Zusätzlich wurden gezielte Einsätze auf der Straße sowie die Ermittlungen gegen Taschendiebe erheblich verstärkt. Um das Phänomen der „Antänzer“ in den Griff zu bekommen, wurde eine Sonderermittlungsgruppe eingerichtet. Antänzer umarmen ihre Opfer spontan und nutzen die Verblüffung zum Griff in die Tasche.

Laut Bahnpolizei haben aber auch die jüngsten zwei Großprozesse „Scara Rulanta“ und „Charlotte“ eine abschreckende Wirkung gehabt.

Oft werden Minderjährige zum Stehlen geschickt

Scara Rulanta bedeutet Rolltreppe auf Rumänisch und war die Bezeichnung für ein 2013 gestartetes Verfahren gegen eine organisierte Diebesbande aus Osteuropa. Deren Masche war der sogenannte „Rolltreppentrick“. Im Gedränge auf der Treppe postiert sich einer der Diebe hinter einem möglichen Opfer. Ein Komplize drückt den Nothalteschalter der Rolltreppe. Durch das ruckartige Stoppen der Treppe sind die potenziellen Opfer kurz abgelenkt. In dem Moment greifen die Täter in Taschen und Rucksäcke.

Auch bei dem Ermittlungsverfahren „Charlotte“, gestartet 2015, ging es um organisierte Banden. Insgesamt gab es in den beiden Fällen mehr als 120 Verdächtige in Berlin und Rumänien, es kam zu mehreren Haftbefehlen und Auslieferungen. Solche Verfahren ziehen sich meist über Jahre hin. Grund dafür ist, dass die Ermittler die kriminellen Strukturen aufdecken müssen, anstatt nur die Taschendiebe zu erwischen. „Da werden oft Minderjährige, strafunmündige Personen zum Stehlen geschickt, beauftragt von den Köpfen weiter oben. An die muss man erst herankommen und das dauert“, heißt es bei der Bundespolizei.

In der Kriminalstatistik machten Diebstähle vergangenes Jahr die Hälfte aller Straftaten aus. Bei Taschendiebstählen verzeichnete die Polizei ein Plus von elf Prozent. Von 2013 auf 2015 hatte sich die Zahl der Taschendiebstähle bereits von 20.000 auf 40.000 verdoppelt. 2016 waren es dann 44.722.

Autor

9 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben