Kunstdiebstahl : Internationale Fahndung nach Bildern aus Fasanengalerie

Die Zahl der Kunstdiebstähle in Berlin hat sich in den letzten Jahren verfünffacht - die Polizei hat längst eine Truppe von Fachleuten, die sich mit solchen Fällen beschäftigt. Nach den gestohlenen Bildern aus der "Fasanengalerie" wird bereits international gefahndet.

Jörn Hasselmann
Matisse
Spektakulärer Diebstahl. Unter anderen wurde die Lithographie "Nu au rocking chair" (1913) des französischen Künstlers Henri...Foto: ddp

Kunstdiebstahl boomt in Berlin. „In fünf Jahren hat sich die Fallzahl verfünffacht“, berichtet die zuständige Expertin Bärbel Groth-Schweizer vom Landeskriminalamt. Die Polizeiführung hat darauf reagiert. Seit einigen Monaten gibt es ein eigenes Kunst-Kommissariat im Landeskriminalamt mit neun Ermittlern. Es ist angesiedelt in der Abteilung organisierte Kriminalität – denn Kunstdiebstahl ist ein internationales Delikt. Derzeit haben die Ermittler viel Arbeit: 200 000 Euro wert sind die Bilder und Skulpturen, die in der Silvesternacht aus einer Charlottenburger Galerie verschwanden. Darunter Radierungen, Lithografien und Skulpturen von Künstlern wie Richard Heß, M. C. Escher, Henri Matisse, Pablo Picasso und Georges Braque. Es war seit Jahren der spektakulärste Kunst-Einbruch, berichtet Kommissariatsleiterin Groth-Schweizer, die seit 25 Jahren Kunstdiebstähle aufklärt.

Gerade in diesem Winter gab es viele Taten mit großer Beute. Aus  Villen und Häusern vor allem in Zehlendorf und Charlottenburg verschwanden wertvolle Bilder und alter Schmuck. Vermutlich stecken Banden hinter diesen Einbrüchen in den südwestlichen Bezirken; in vielen Fällen stammen die Täter aus Osteuropa. Die Polizei registrierte in den ersten zehn Monaten 2008 bereits 6792 Wohnungseinbrüche, fast 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Doch alle diese Einbrüche stehen jetzt hinter dem Coup in der „Fasanengalerie“ in der Ku’damm-Seitenstraße zurück. Wie üblich bei derart spektakulären Taten werden alle Ermittler etwa eine Woche lang nur diesen Fall bearbeiten. Eine Spur zum Verbleib der 25 Bilder und acht Skulpturen gab es gestern noch nicht. Ob die Täter Profis waren, sei fraglich. Zwar hätten die Männer wenig Spuren hinterlassen, andererseits hätten sie sich erst beim zweiten Versuch Zutritt verschaffen können. Die erste Tür hatte der rohen Gewalt standgehalten. Erleichtert wurde die Tat durch den Trubel der Silvesternacht und das Fehlen einer Alarmanlage.

Sofort sei eine internationale Fahndung nach den Kunstwerken ausgelöst worden, berichtet die Chefermittlerin. „Denn Kunst wird nicht nur da verkauft, wo sie gestohlen wurde.“ Ein Trend der letzten Jahre sei, dass keine Hehler mehr eingeschaltet werden, sondern die Diebe den Verkauf selbst in die Hand nehmen – vor allem über das Internet. Doch das Landeskriminalamt habe gute Kontakte zu Ebay, sagt Kommissarin Groth- Schweizer, ein „schnelles Einschreiten“ sei gesichert. Gute Kontakte zu Galerien, Experten und Kollegen in anderen Bundesländern seien ohnehin die Basis für erfolgreiche Ermittlungen . Kürzlich waren die Ermittler auf dem „Antikmarkt“ am Ostbahnhof – nicht um Beute zu suchen, sondern um mit den Händlern ins Gespräch zu kommen. Denn viel Diebesgut aus Privathaushalten wird auf dem Trödel versilbert.

„Die Beute zu finden, ist für uns das Wichtigste“, sagt die 58-Jährige, die bei der Polizei durch Zufall und ohne Kunststudium in dieses Metier kam. Bei drei Bildern ermittelt sie seit Jahren erfolglos: Das „Bildnis Francis Bacon“ von Lucien Freud verschwand 1988 aus der Nationalgalerie, der „Arme Poet“ von Carl Spitzweg wurde 1989 aus dem Schloss Charlottenburg geraubt, das „Schlafende Mädchen“ von Lovis Corinth 1997 aus der Villa Grisebach gestohlen.  „Ich hoffe inständig, dass wir die wiederfinden“, sagt Groth-Schweizer. Erfolgreich war sie bei den Ermittlungen gegen eine Bande, die im April 2002 im Brücke-Museum neun expressionistische Gemälde von Emil Nolde, Max Pechstein und Ernst- Ludwig Kirchner im Wert von 3,6 Millionen Euro stahlen. Die sechs Täter aus Ex-Jugos lawien wurden gefasst und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Hinweise zum aktuellen Fall unter Telefon: 4664 945 400. Abbildungen im Internet: www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/117714/

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