Kunsthaus in Mitte : Räumung im Tacheles gescheitert

Am Mittwochmorgen sollte das Café Zapata im Kunsthaus Tacheles geräumt werden. Doch der Gerichtsvollzieher zog unverrichteter Dinge wieder ab.

Ein Investor hatte eine Mauer im Torbogen des Künstlerhauses bauen lassen - jetzt wollen die Tacheles-Künstler das Hindernis überbrücken. So soll die Brückenkonstruktion aussehen. Im Hintergrund ist der Hofgenerator zu sehen. Der Strom ist abgestellt worden und die Künstler müssen sich selbst helfen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Jakob Hauser
06.05.2011 08:18Ein Investor hatte eine Mauer im Torbogen des Künstlerhauses bauen lassen - jetzt wollen die Tacheles-Künstler das Hindernis...

Der Gerichtsvollzieher habe im Café Zapata lediglich das Inventar registriert, teilte die Gruppe Tacheles mit. Mehrere Dutzend Menschen hatten sich vor dem Lokal in der Oranienburger Straße versammelt, um gegen die mögliche Räumung zu protestieren. Vor einer Woche war bereits der Versuch gescheitert, Teile der Freifläche hinter dem Kunsthaus zu räumen.

Wie die Gruppe weiter mitteilte, liegt nach Aussage des Gerichtsvollziehers noch kein Räumungstermin für den insolventen Verein Tacheles vor, der in dem ehemaligen Kaufhaus an der Oranienburger Straße vor allem Ateliers betreibt. Die Vollstreckung des Räumungsbescheids sei durch das Insolvenzverfahren „auf Eis gelegt“ worden. Die Verantwortlichen wollen nun die Gespräche mit Politikern weiterführen, um eine Lösung für das Kunsthaus Tacheles und angrenzende Flächen zu finden. Für einen Erhalt des Kunsthauses macht sich vor allem der Berliner Senat stark.

Hintergrund ist, dass die mehrheitlich den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehörende HSH Nordbank das Hausgrundstück versteigern möchte. Eine Tochtergesellschaft der Fundus-Gruppe hatte das Gelände von der Treuhandgesellschaft gekauft und wollte rund um das denkmalgeschützte Gebäude Wohn- und Geschäftshäuser bauen. Die Bank macht laut Insolvenzverwalter gegenüber der Gesellschaft Forderungen in Höhe von mehr als 70 Millionen Euro geltend.

Das weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannte Kunsthaus zieht jährlich mehr als 300 000 Besucher an. Die Ruine unweit des Bahnhofs Friedrichstraße war 1990 von einer Künstlerinitiative besetzt worden. Später wurden Mietverträge abgeschlossen, die mittlerweile aber ausgelaufen sind. Bis 2008 hatten die Künstler für einen symbolischen Monatsbetrag in den Räumen ihre Kunst ausstellen dürfen. Doch auch nach Ende des Mietvertrages blieben sie. (ddp/Tsp)

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