Kurt Demmler : Liedermacher soll Kinder missbraucht haben

Die Anklage wirft Kurt Demmler 212 Fälle vor. Seine Opfer waren Mädchen, die er unter dem Vorwand eines Castings für eine Band angelockt habe. Vor Gericht schwieg der 65-Jährige.

Kerstin Gehrke

Die schwarze Mütze hatte er tief ins Gesicht gezogen, den Kragen der Skijacke hochgeschlagen. Als Angeklagter wollte sich Kurt Demmler, einer der erfolgreichsten Rocktexter der DDR, nur vermummt filmen lassen. Der 65-Jährige hat den Nina-Hagen-Hit „Du hast den Farbfilm vergessen“ geschrieben und für Gruppen wie Puhdys oder Karat getextet. Nachdem der studierte Mediziner 1985 das Album „Die Lieder des kleinen Prinzen“ veröffentlicht hatte, nannte man ihn auch „Anwalt der Kinder“. Seit Donnerstag steht er wegen sexuellen Missbrauchs von sechs Mädchen vor Gericht. Sie waren laut Anklage zehn und 14 Jahre alt.

212 Fälle listete der Staatsanwalt auf. Taten, zu denen es zwischen August 1995 und November 1999 in Demmlers Wohnung in Prenzlauer Berg und einmal auch in seiner Villa in Storkow gekommen sein soll. Die Opfer waren den Ermittlungen zufolge Mädchen, die er unter dem Vorwand eines Castings für eine Band angelockt habe. Sie sangen, tanzten und träumten von Auftritten. Jahrelang sollen sie über die dunkle Seite des Unterrichts geschwiegen haben.

Eines der Mädchen missbrauchte er laut Anklage in mehr als 180 Fällen. Er soll die Schülerinnen auch zum Gruppensex gedrängt haben. Zwei von ihnen treten im Prozess als Nebenklägerinnen auf. Demmler hörte die Vorwürfe ohne äußere Regung. „Im Moment wird Herr Demmler keine Angaben machen“, erklärte seine Verteidigerin. Der Liedermacher nickte nur. Erst als eine Nebenklage-Anwältin sprach, meldete er sich zu Wort. „Ich verstehe kein Wort, bin schwerhörig.“ Die Anwältin hatte beantragt, bei der Vernehmung der heute 22-jährigen Frau die Öffentlichkeit auszuschließen und auch den Angeklagten aus dem Saal zu schicken. „Es besteht die Gefahr einer Retraumatisierung“, sagte die Anwältin. Angst- und Panikattacken sowie Suizidimpulse seien zu befürchten.

Demmler soll eine der Zeuginnen unter Druck gesetzt haben. In einer E-Mail habe er sie gedrängt, nicht auszusagen. Die Anwältin sagte, er habe ihrer Mandantin in Aussicht gestellt, sie dann in seinem Testament zu bedenken. Weil er versucht haben soll, Zeuginnen zu beeinflussen, wurde Demmler im August festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Kerstin Gehrke

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