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Landgericht Berlin : Hohe Rückfallgefahr bei Sexualtäter Uwe K.

Ein Gutachter hat die Sicherheitsverwahrung für den vorbestraften Sexualtäter Uwe K. bejaht. Der Angeklagte hätte einen "Hang" zu derartigen Straftaten und sei voll schuldfähig.

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Einmal nickte der Sexualstraftäter. Da wurde er gerade vom Gutachter zitiert. "Ich habe unschuldig gesessen", hatte Uwe K. nach elfjähriger Haft verkündet. Von ihm gehe auch keine Gefahr aus, er habe nämlich kein Interesse an Kindern. Seit acht Wochen aber läuft erneut ein Prozess wegen Missbrauchs von drei Mädchen gegen K. Lassen sich die Vorwürfe beweisen, bleibt aus Sicht eines Psychiaters nur Sicherungsverwahrung.

"Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es wieder zu solchen Taten kommt, wenn der Angeklagte im freien Raum agiert", sagte Gutachter Matthias Lammel am Donnerstag. Es sei extrem schwierig, einen Mann wie Uwe K., der rechtskräftige Urteile bis heute nicht akzeptiert, zu kontrollieren. Das wurde 2007 versucht, als er nach seiner Freilassung in Spandau lebte. Er stand unter Führungsaufsicht, er wurde zweimal rund um die Uhr observiert, 13 und 23 Tage lang. Er durfte sich nicht auf Spielplätzen aufhalten, ihm war Kontakt zu Mädchen verboten. Trotzdem soll K. rückfällig geworden sein.

Uwe K. wurde im Dezember verhaftet. Er soll drei Kinder aus der Nachbarschaft im Alter von acht, zehn und elf Jahren sexuell missbraucht haben. Bei den beiden Älteren geht die Anklage von Vergewaltigung aus. Er habe sie zum Oralverkehr gezwungen. Eine Gutachterin schätzte die Aussagen der Kinder als glaubwürdig ein. Uwe K., ein fülliger Mann von 46 Jahren, aber hatte alles abgestritten. Er griff die Zeugen an. Sie würden "Lügengeschichten" erzählen. Er gab lediglich einige Verstöße gegen Weisungen der Führungsaufsicht zu und meinte: "Der Spielplatz war ja direkt vor meiner Haustür."

Der aus Falkensee in Brandenburg stammende Mann hatte sich von 1992 bis 1995 an neun Mädchen vergangen. Seine Opfer waren Heimkinder. Auch jetzt geht es um Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen, die er missbraucht haben soll. K. komme bei "erwachsenen, reifen, sozial kompetenten" Frauen nicht an, sagte der Gutachter Lammel. "Die Personen müssten etwas mitbringen, das es ihm ermöglicht, tätig zu werden: Naivität, Jugend oder Behinderung."

Über den verurteilten Sexualstraftäter liegen inzwischen vier psychiatrische Gutachten vor. In allen wurde festgestellt, dass Uwe K. voll schuldfähig ist: keine Hinweise auf eine Geisteskrankheit, keine Hinweise auf Intelligenzminderung und keine auf eine sexual-pathologische Störung. Sein "Hang" zu Sexualtaten sei in seinem Wesen begründet. Der Mann mit zehn Geschwistern habe geltende Normen wenig verinnerlicht, zeige egozentrische Züge, sei emotional und intellektuell einfach strukturiert. Es würden Beziehungs- und Empathiedefizite bestehen. Andererseits suche Uwe K. nach Annerkennung und Bestätigung.

Die Entlassung von Uwe K. nach elfjähriger Haft sorgte bundesweit für Aufsehen, weil ihn Experten weiterhin für gefährlich hielten. Ein Rückfall sei zu befürchten, warnten sie. Ein Versuch, ihn dauerhaft in die Psychiatrie zu bringen, scheiterte. Bei seiner damaligen Verurteilung gab es rechtlich eine Handhabe, Uwe K. in Sicherungsverwahrung zu bringen.

Als er Ende 2007 nach Spandau zog, ging er zu einer Therapie und zum Bewährungshelfer. In seinem Umfeld aber soll sich der geschiedene und kinderlose Mann unbeirrt das Vertrauen von vorwiegend alleinerziehenden Müttern erschlichen haben. "Er sieht sich selbst als Opfer", sagte der Gutachter. Ohne Einsicht aber sei eine Therapie nicht möglich. Der Prozess geht am 23. August weiter.

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