Landgericht : Bluttat nach 18 Jahren offenbar aufgeklärt

Eine Spur an einem Bierglas überführte den mutmaßlichen Täter: 18 Jahre nach dem Tod eines 22-jährigen Kellners muss sich seit gestern ein Bauhelfer vor dem Landgericht verantworten.

Eine Spur an einem Bierglas überführte den mutmaßlichen Täter: 18 Jahre nach dem Tod eines 22-jährigen Kellners muss sich seit gestern ein Bauhelfer vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus. Aus Habgier und heimtückisch habe der Slowake Jan M. den Kellner in dessen Wohnung in Lichtenberg erstochen. Er soll mit einer Lederjacke und einer Armbanduhr geflüchtet sein.

Der inzwischen 48-jährige Angeklagte gab zu, dass er am Vormittag des 17. September 1991 zum Messer gegriffen hatte. Ein Mörder aber sei er nicht. „Es tut mit unendlich leid. Ich war in Panik, ich habe völlig konfus reagiert“, ließ er über seine Verteidigerin erklären. Den Kellner habe er an jenem Morgen kennengelernt. „Er lud mich auf ein Bier ein.“ Weil der Fremde nett war, sei er mitgegangen. In der Wohnung aber sei er von dem Mann sexuell bedrängt worden.

Die Mutter hatte ihren Sohn tot aufgefunden. Die Polizei sicherte Spuren. Zehn Jahre lang aber blieb der Fall offen. Mit einem speziellen Computerprogramm sollen dann Fingerabdrücke Jan M. als mutmaßlichen Täter überführt haben. Der Slowake, der hin und wieder in Deutschland als Bauhelfer gearbeitet hatte, war zuvor in Hamburg erkennungsdienstlich behandelt worden. Zunächst wurde ihm in seiner Heimat der Prozess gemacht. In einer ersten Verhandlung kam es zu einem Freispruch, in der zweiten zu einer Verurteilung. Als der mutmaßliche Mörder dagegen Rechtsmittel einlegte, wurde er zunächst aus der Haft entlassen. Schließlich beantragte die deutsche Justiz einen internationalen Haftbefehl. Im letzten Dezember wurde M. nach Berlin überstellt. „Ich habe versucht, das Ganze zu verdrängen, habe gehofft, dass der Mann überlebt hat“, erklärte der Angeklagte. Der Prozess wird am 13. Oktober fortgesetzt. K. G.

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