Landgericht : Busentführer muss in die Psychiatrie

Sechs Monate nach der Entführung eines Doppeldeckers der BVG in Spandau hat das Landgericht entscheiden, dass der Täter wegen einer psychischen Erkrankung nicht schuldfähig war.

Der Busfahrer bemerkte an der Endhaltestelle einen Schatten hinter sich, dann sah er das Küchenmesser. Der Mann, der mit einem Bademantel bekleidet vor ihm stand, wirkte gereizt. „Ich muss nach Usedom“, verlangte der Täter. Sechs Monate nach der Entführung eines Doppeldeckers der BVG in Spandau entschied gestern das Landgericht, dass Thomas W. wegen einer psychischen Erkrankung nicht schuldfähig war. Die Richter ordneten seine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Der 42-jährige W., ein früherer Busfahrer, hatte zuvor ein Geständnis abgelegt. Am Morgen des 10. Oktober 2008 habe ihm eine Stimme befohlen, sich sofort auf den Weg zur Ostseeinsel Usedom zu machen. Um 10.41 Uhr stieg er in einen Bus der Linie M 37. An der Endhaltestelle wartete er, bis alle Fahrgäste ausgestiegen waren. Der bedrohte Fahrer behielt trotz Todesangst die Nerven. „Er wirkte gereizt, ich startete den Motor“, sagte der 43-Jährige. Er verwickelte den Entführer in ein Gespräch und löste unbemerkt den stillen Alarm aus. Nach etwa 14 Kilometern bog der Bus auf den Berliner Ring ein. An einer Baustelle vor der Ausfahrt Falkensee gelang es der Besatzung eines Funkwagens, die Entführung unblutig zu beenden.

Der Spandauer Thomas W. ist seit langem krank und inzwischen Frührentner. Der Busfahrer war nicht sein erstes Opfer. Er hatte auch seine Ex-Partnerin und seinen einzigen Freund bedroht. Nach der Entführung wurde der an einer Psychose leidende W. ins Krankenhaus eingewiesen. Durch die Behandlung habe sich die Gefahr verringert, sagte ein Gutachter. Das genügte aber nicht für eine Unterbringung auf Bewährung, die der Verteidiger beantragt hatte. K.G.

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