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Lichtenberg : Auto explodiert - Brandstifter gefasst

Die Polizei hat in der Nacht zu Freitag in Lichtenberg zwei junge Männer festgenommen, die unter Verdacht stehen, Autos angezündet und eine Explosion ausgelöst zu haben. Einer der beiden ist ein alter Bekannter.

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Vor allem 2011 haben in Berlin immer wieder Autos gebrannt. Im November hat die Polizei zwei mutmaßliche Brandstifter festgenommen, die durch ihre Zündeleien eine heftige Explosion ausgelöst haben sollen. Neue Aufmerksamkeit erfahren die Autobrände nun, weil die Berliner Polizei bei einem Fall flächendeckend Handy-Daten ausgewertet hat. Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
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04.11.2011 20:21Vor allem 2011 haben in Berlin immer wieder Autos gebrannt. Im November hat die Polizei zwei mutmaßliche Brandstifter...

Erneut konnte die Polizei zwei mutmaßliche Auto-Brandstifter festnehmen. Zwei Wochen nach dem spektakulären Ermittlungserfolg gegen einen Zündler, der 67 Taten gestanden hat, wurden in der Nacht zu Freitag zwei 22 und 23 Jahre alte Männer festgenommen. Sie sollen in Lichtenberg drei Fahrzeuge und einen Altkleidercontainer angezündet haben. Andy W. und Thomas D. wurden vor ihren Wohnungen in Lichtenberg festgenommen – sie waren zuvor bei den Löscharbeiten aufgefallen, die Polizei hatte deshalb ihre Personalien aufgenommen. Beide sollen nach derzeitigen Erkenntnissen nicht der linken Szene angehören. Der 23-jährige D. ist jedoch bereits wegen Autobrandstiftung polizeibekannt. Nach Polizeiangaben haben sie in der ersten Vernehmung zwei der Brandstiftungen gestanden. Sie sollen am Sonnabend dem Haftrichter vorgeführt werden.

So kamen die Ermittler den Männern auf die Spur: In der Herzbergstraße hatte gegen 1.15 Uhr auf einem verschlossenen Gewerbegelände ein Opel in Flammen gestanden. Das Fahrzeug wurde völlig, ein daneben stehender Lkw leicht beschädigt. Hier beobachtete die Polizei, dass sich die beiden Männer am Tatort mit Fotojournalisten unterhielten und Interviews gaben. Deshalb seien die beiden Männer zunächst als Zeugen befragt worden, hieß es. Dadurch hatte die Polizei ihre Personalien. Verdächtig machten sich beide durch die Angabe, die Feuerwehr alarmiert zu haben – was aber nicht stimmte, wie sich später herausstellte.

Friedhof der ausgebrannten Autos
In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie. Foto: Henning OnkenWeitere Bilder anzeigen
1 von 24Foto: Henning Onken
19.08.2011 08:01In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie.

Rund zwei Stunden später standen in der Elli-Voigt-Straße, in unmittelbarer Nähe zum ersten Brandort, zwei VW-Transporter in Flammen. Auf einem der beiden Autos – offenbar ein Campingmobil – waren Gasflaschen befestigt, die durch die Hitzeentwicklung explodierten. Dadurch wurden sechs weitere Autos zum Teil stark beschädigt. Menschen wurden nicht verletzt. Gegen 3.20 Uhr ging ein Altkleidercontainer wiederum in der Elli-Voigt-Straße in Flammen auf.

Zu dieser Zeit galten W. und D. bereits als Tatverdächtige, um 3.34 und 4 Uhr wurden die beiden jungen Männer vor ihren Wohnungen festgenommen. Der ältere Thomas D. hatte am Donnerstag seinen 23. Geburtstag gefeiert – möglicherweise seien die Brandstiftungen aus einer Feierlaune erfolgt, hieß es. Beide Männer haben ihre Facebook-Profile als „Freunde“ verlinkt. Auch dort gibt es keine Hinweise zum Linksextremismus. Auch der vor einer Woche festgenommene Serienbrandstifter gilt als unpolitischer Täter.

Aber auch die linke Szene war in der Nacht zu Freitag aktiv. In Friedrichshain wurden Hindernisse auf der Kreuzung an der Kreuzung Neue Bahnhof- Ecke Boxhagener Straße gelegt und angezündet. Ein Autofahrer hatte mehrere vermummte Personen beobachtet und die Polizei alarmiert. Ein Streifenwagen fuhr sich an ausgelegten Krähenfüßen zwei Reifen platt. In der Nähe wurde eine Art Bekennerschreiben gefunden, das „Freiheit für Tobias“ fordert. Tobias P. ist ein bekannter Linksextremist, der seit September wegen Brandstiftungen in Haft sitzt.

Die Serie von Autobrandstiftungen in der Hauptstadt hat seit Jahresbeginn etwa 500 Fahrzeuge betroffen. Bei rund einem Drittel ist die Tat nach Einschätzung der Polizei politisch motiviert. Bereits am 21. Oktober hatte die Polizei einen mutmaßlichen Serienbrandstifter festgenommen. Der 27-Jährige gestand, im Sommer dieses Jahres 67 Fahrzeuge angezündet zu haben. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Bei ihm handelt es sich laut Polizei nicht um einen politisch motivierten Brandstifter. Er soll aus "diffusem Sozialneid" und "Frust" teure Autos im Westteil der Stadt angezündet haben.

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