Polizei & Justiz : Linienbus entführt

Der Täter wollte ans Meer und bedrohte den Fahrer Polizei stoppte den Verwirrten auf der Autobahn

Jörn Hasselmann

Ein offensichtlich verwirrter Mann hat am Freitagvormittag einen Doppeldecker der BVG entführt. Der 41-Jährige bedrohte gegen 11 Uhr den Fahrer des M37 an der Endhaltestelle an der Heerstraße in Staaken mit dem Messer und verlangte, auf die Ostseeinsel Usedom gebracht zu werden. Zuvor hatte der Täter – bekleidet mit einem Bademantel – darauf gewartet, bis alle Fahrgäste ausgestiegen waren. Der Fahrer folgte der Aufforderung und fuhr Richtung Westen zur Autobahn. Obwohl der Täter ihm die ganze Zeit ein Messer an den Hals hielt, gelang es dem Fahrer, die Sprechfunktaste zu drücken. Er berichtete dann über Funk, dass er einen Fahrgast nach Usedom bringen müsse. Durch dieses Gespräch konnte die Leitstelle den Bus orten und die Polizei informieren. Minuten später waren zahlreiche Polizeiwagen hinter dem Doppeldecker her. Nach etwa 14 Kilometern Fahrt auf der Bundesstraße B5 bog der Doppeldecker auf den Berliner Ring ein. Hier standen die Autos jedoch wegen einer Baustelle im Stau. Als der Täter die Polizei hinter dem Bus bemerkte, warf er das Messer weg, ließ die Türen öffnen und flüchtete die Böschung hinunter. Er konnte jedoch schnell von den Beamten festgenommen werden, der 41-Jährige leistete keinen Widerstand. Bereits um 11.15 Uhr war die Entführung des BVG-Busses beendet.

Im Jahr 2003 hatte der Bankräuber Dieter Wurm einen Bus mit mehreren Fahrgästen vier Stunden lang in der Gewalt gehabt. Ein Spezialeinsatzkommando hatte damals den Bus gestürmt und die Entführung beendet. Wurm wurde zu hoher Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Der Busfahrer erlitt nach BVG-Angaben einen leichten Schock. Eine Sprecherin lobte das umsichtige Verhalten des 43-jährigen Fahrers. Er habe beruhigend auf den Entführer eingeredet, ihm seinen Apfel von der Frühstückspause angeboten und ihm erklärt, was er macht. So habe er vor einer Brücke gesagt, dass er langsam fahren müsse, da er nicht genau wisse, ob der Doppeldecker durchpasse.

Die BVG sprach von einem Einzelfall. Diese würden die Fahrer weniger belasten als die vielen Attacken und Pöbeleien, die nahezu täglich stattfinden. Erst am Mittwoch hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf einer Personalversammlung der BVG den Angestellten Mut zugesprochen und betont, dass sich die Gewalt nicht explizit gegen die BVG richte.

Wie immer bei Entführungen hat eine Mordkommission die Ermittlungen übernommen. Der Täter, ein Deutscher, ist bislang nur durch kleinere Delikte aufgefallen. Unklar ist, ob der Mann zurechnungsfähig ist. Die Kriminalpolizei bittet alle Fahrgäste, die den Bus an der Endhaltestelle verlassen hatten, sich unter der Telefonnummer 4664 911 600 zu melden. Möglicherweise sei der Täter dort bereits aufgefallen, hieß es. Jörn Hasselmann

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