Mai-Krawalle : 1.-Mai-Prozess: Ermittler schließen Fehler nicht aus

Nach ihrer überraschenden Freilassung waren Rigo B. und Yunus K. am Montag wieder pünktlich zum Prozess im Saal. Bei einer Durchsuchung wurden in Wohnungen von zwei anderen Verdächtigen Benzinkanister entdeckt - und nur fotografiert.

Nach ihrer überraschenden Freilassung waren Rigo B. und Yunus K. gestern wieder pünktlich zum Prozess im Saal. Die Jugendlichen, die als mutmaßliche Mai-Randalierer mehr als sieben Monate in Untersuchungshaft saßen, sahen einen Polizisten wieder, der mit Ermittlungen in ihrem Fall befasst war. Die damals 16- und 19-jährigen Schüler hätten nicht nach Benzin gerochen, sagte der Beamte aus. Intensiver ging es in seiner Befragung aber um Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit der Ermittlung gegen zwei andere Männer, die von der Verteidigung als wahre Täter angesehen werden.

Rigo B. und Yunus K. müssen sich wegen versuchten Mordes verantworten. Sie sollen bei den Krawallen am 1. Mai in Kreuzberg eine Brandflasche in Richtung Polizisten geschleudert haben. Brennende Flüssigkeit tropfte auf den Rücken einer Passantin. Die 28-Jährige erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades.

Anfang September begann der Prozess. Die Fronten waren verhärtet, die Beweislage heftig umstritten. Die Angeklagten beteuern ihre Unschuld. Sie hätten lediglich zu einem Automaten gehen und Geld holen wollen. Ihre Anwälte gehen von einer Verwechslung aus. Drei Polizisten aber belasteten die Schüler.

Zentraler Streitpunkt ist ein Foto, das ein Student in zeitlicher Nähe zum Wurf des Molotowcocktails gemacht hatte. Dies zeigt eine „Vierergruppe“: Zeugen sagten, aus dieser Gruppe sei eine Brandflasche geworfen worden. Nach einer Anzeige der Verteidigerin von Rigo B. kam es Ende September bei zwei der Männer aus der Gruppe auch zu Durchsuchungen.

Es wurden dabei Benzinkanister entdeckt – unter anderem im Bettkasten. Doch beschlagnahmt wurden die möglichen Beweismittel nicht; später waren sie verschwunden. Eine Beamtin sagte vor Gericht, sie habe auf Anweisung lediglich Fotos gemacht. „Die fotografische Dokumentation war aus meiner Sicht ausreichend“, erklärte der befragte Ermittler: In der Rückschau könnte dies ein Fehler gewesen sein. Bei beiden Männern seien aber Computer beschlagnahmt worden. Der Prozess wird heute fortgesetzt. K. G.

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