Missbrauch : Erzieher muss sechs Jahre in Haft

Süßigkeiten, Computerspiele, Freiheiten. Die Wohnung des Erziehers schien ein "Kinderparadies" zu sein. Doch es war eine Sex-Falle, in die Wolfgang G. jahrelang Jungen aus dem Heim lockte, in dem er arbeitete.

Kerstin Gehrke

BerlinFünf Opfer listete die Anklage auf. Sie waren neun bis 13 Jahre alt. Das Landgericht verurteilte den 48-jährigen G. am Freitag zu sechs Jahren Gefängnis. Außerdem verhängten die Richter ein lebenslanges Berufsverbot.

Wolfgang G. arbeitete seit 1998 in der Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt am Hultschiner Damm in Hellersdorf. Dort waren Kinder und Jugendliche aus sogenannten Problemfamilien untergebracht. G. fiel dadurch auf, dass er überaus engagiert war und unbeliebte Schichtdienste übernahm. Kritisch hätten seine Kollegen aber mangelnde Distanz beobachtet, hieß es im Urteil. „Der Angeklagte verbündete sich mit den Kindern, indem er zum Beispiel Details aus Teambesprechungen berichtete.“ Es bekam deshalb im Jahr 2003 eine Abmahnung. Dass der Erzieher hemmungslos seine pädophile Neigung auslebte, blieb seinen Kollegen jedoch sieben Jahre lang verborgen.

Die Opfer missbrauchte der homosexuelle G. in ihren Zimmern oder in seiner Wohnung in Moabit. Zum Teil hatte er die Übergriffe auch gefilmt. Nachdem eine Mutter im letzten Sommer eine DVD bei ihrem Sohn entdeckt hatte, wurde der Erzieher verhaftet. „Ich bin immer gleich ins Kumpelhafte abgerutscht“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Ihm sei es schwer gefallen, die notwendige Distanz zu halten. Er zeigte sich im Prozess geständig. „Ich habe aber nicht den Eindruck, dass er begriffen hat, was er diesen Kindern und Jugendlichen angetan hat“, sagte eine Nebenklage-Anwältin.

Die Staatsanwältin wird das Urteil kritisch prüfen und möglicherweise Rechtsmittel einlegen. Sie hatte sieben Jahre Haft und zudem die Verhängung von Sicherungsverwahrung beantragt. Wolfgang G. sei gefährlich, argumentierte sie. Aufgrund seiner Neigung werde er sich von Kindern nicht fernhalten. Sie zitierte einen Gutachter, der erklärt hatte, dass G. im Gespräch keinerlei Empathie mit seinen Opfern gezeigt habe.

Die Richter sprachen G. des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 25 Fällen schuldig. Das Gericht nimmt an, dass es weitere Übergriffe gab. Zugunsten des Angeklagten habe dessen Geständnis gesprochen. Er sei zudem nicht vorbestraft und habe sich bereit erklärt, insgesamt 24 000 Euro an Opfer zu zahlen. Aber er habe keinerlei Hemmungen gezeigt, es „tolldreist getrieben“. Die Übergriffe seien ein übler Vertrauensmissbrauch gewesen. 

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