Mit Bombenterror gedroht : Erpresser wollte 32,8 Millionen Euro vom Staat

Ein Ex-Soldat steht vor dem Berliner Landgericht. Er drohte mit Bombenterror in 19 deutschen Städten und wollte damit eine gigantische Summe erpressen.

Kerstin Gehrke

Die acht Schreiben des Erpressers waren an das Bundeskanzleramt, den Berliner Polizeipräsidenten und die Polizeidirektionen adressiert. „Wir haben in 19 Städten insgesamt 362 Sprengsätze installiert“, hieß es darin. Diese würden hochgehen, falls die Bundesrepublik nicht 32,8 Millionen Euro zahle. „Ich hatte keinen Sprengstoff, alles war nur geschrieben“, nuschelte der 29-jährige Mann aus Sachsen gestern vor Gericht.

Es waren wohl die Schulden, die Andreas N. auf die Idee mit der Erpressung brachten. Mit einer seiner drei Schwestern habe er überlegt, ob man nicht „anderen Geld wegnehmen könnte“. Als Vorlage diente ihm ein Thriller, „so ein Mafia-Film“, wie der Angeklagte sagte.

Am Computer ließ er seiner kriminellen Phantasie freien Lauf. Bis ins Detail erfolgten Anweisungen für die Geldübergabe. An zwei Terminen sollte jeweils ein VW-Touareg mit je 16,4 Millionen Euro bereitgestellt werden. Andreas N. behauptete, Geiseln genommen zu haben. Eine Frau und zwei drei und elf Jahre alte Mädchen seien bereits durch Infusionen in einen Dämmerschlaf versetzt worden.

Die Schwester bekam Angst

Der Inhalt des mehrseitigen Schreibens klang abstrus. Der Erpresser schrieb von angeblichen Geschäften seines verstorbenen Vaters mit der Bundesrepublik, die er aufdecken könnte. „Wir waren ein bisschen im Zwiespalt“, sagte eine Ermittlerin. Dennoch lief die Maschinerie an. Die Briefe identischen Inhalts wurden nach allen Regeln der Kunst untersucht. Ein Touareg wurde geordert, ein Zugriff des Spezialeinsatzkommandos (SEK) am Ort der geplanten Geldübergabe auf einer Tankstelle in Schöneweide vorbereitet. Die Schwester von N. aber bekam Angst und ging zur Polizei. Kurz darauf wurde ihr Bruder, der bereits eine Fahrkarte nach Berlin gekauft hatte, in der Wohnung seiner Mutter überwältigt.

Der Angeklagte gab sich bescheiden. „Ich wollte nur 400 000 Euro“, behauptete er. 260 000 Euro hätte er genommen, um seine Schulden zu bezahlen, 140 000 Euro seien für seine Schwester gedacht gewesen. „Ich wollte komplett neu anfangen.“ Er wollte zu seiner Freundin in die Schweiz umziehen. Die Beziehung hatte N. allerdings bereits mit ersten Lügen belastet. Einmal war er im gemieteten Porsche zu ihr gefahren und hatte ihr von einem einträglichen Job berichtet. Am 4. April wollte Andreas N. Deutschland hinter sich lassen. Einen Tag zuvor aber klickten die Handschellen.

Der Angeklagte ist ein Spieler

Andreas N. ist seit sechs Jahren spielsüchtig. Einen Lottogewinn hat er schon verzockt, ebenso wie die 147 000 Euro, die er von einem Ehepaar erschlichen hatte. Der ehemalige Zeitsoldat soll seit einem Unfall bei der Bundeswehr an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Mit dem Spielen habe er Kopfschmerzen bekämpfen wollen, sagte ein Gutachter. Ein Urteil wird für den 17. Oktober erwartet.

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