Moabit : Mordfall nach 17 Jahren geklärt

Die Tötung eines Obdachlosen im Jahr 1992 ist offenbar aufgeklärt. 17 Jahre nach der Tat konnte die Polizei eine DNA-Spur zuordnen. Der Täter sitzt bereits in Haft, weil er kurz zuvor drei Menschen erschossen hatte.

Jörn Hasselmann

Die Berliner Polizei hat erstmals einen alten Mordfall per DNA-Abgleich aufgeklärt. 17 Jahre nach der Tat wurde der heute 44-jährige Ali K. überführt, im Jahr 1992 im Kleinen Tiergarten in Moabit einen Obdachlosen mit einem Hammer erschlagen zu haben. Der Fall gehört zu den 188 seit 1976 unaufgeklärten Fällen, die in den vergangenen  Monaten durch die Soko „SE11“ noch einmal dahingehend angesehen worden sind, ob mit heutiger moderner Technik Spuren gefunden werden können, die früher unsichtbar waren. Erst vor wenigen Wochen hatte Innensenator Ehrhart Körting (SPD ) vier Millionen Euro für diese Sonderkommission bewilligt, um die Arbeit zu beschleunigen.

Den Ermittlern von „SE11“ lag unter anderem ein Zimmermannshammer vor. Dieser war kurz nach Mitternacht des 20. Mai 1992 neben einer Parkbank bei der Leiche von Herbert Winkelmann gefunden worden. Damals reichte die Technik nicht, um kleinste Hautschuppen sichtbar zu machen – nun gelang der Durchbruch: Fremde DNA wurde an Winkelmanns Hammer gefunden. Und die beim Bundeskriminalamt geführte DNA-Datenbank spuckte den Treffer aus: Ali K.

Lange fahnden mussten die Ermittler nicht: Ali K. sitzt seit 1992 wegen dreifachen Mordes in Tegel im Gefängnis. K. hatte im April und Mai 1992 eine regelrechte Blutspur in Moabit hinterlassen:  Am 14. April ermordete er den Tankwart Bernd B. an der Kaiserin-Augusta-Allee, um an 2000 Mark zu kommen. Drei Wochen später tötete er seine Geliebte Ewa M., weil sie nach seiner Meinung weitere Männerbekanntschaften hatte. Als Minuten nach dieser Tat Magdalena K., eine Freundin des Opfers, die Wohnung an der Bremer Straße betrat, erschoss Ali K. auch sie, um unerkannt flüchten zu können. Die achtjährige Tochter von Ewa M. entdeckte wenig später die Leichen; die Ermordung der beiden jungen Polinnen erregte damals großes Aufsehen.

Alle drei Opfer waren mit der gleichen Waffe getötet worden, das hatte die Polizei schnell ermittelt. Überführt wurde K. schon damals per DNA-Abgleich. Von allen Bekannten und Verwandten der beiden Frauen hatte die Polizei Speichelproben erbeten. An frischen Zigarettenkippen in der Wohnung von Ewa M. wurde dann sein Speichel gefunden – konfrontiert mit dieser damals ebenso spektakulären wie neuen Methode, gestand der Türke die Taten. 1993 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Die nun aufgeklärte Tat hat  K. in einer Vernehmung durch die 6.  Mordkommission zugegeben, will sich aber in einem Streit mit dem betrunkenen Winkelmann nur gewehrt haben. Wie ein Ermittler sagte, sei erstaunlich, dass K. im Prozess nicht auch diese Tat zugegeben habe. Dies spreche für seine Abgebrühtheit, ebenso wie die falsche Fährte, die er nach den beiden Schüssen auf die Frauen gelegt hatte: Um einen Raubmord vorzutäuschen, hatte er mehrere Geräte mitgehen lassen, diese hatte er dann in der Spree versenkt.

2007 war die „SE11“ (Sonderermittlungen) beim LKA gegründet worden. Sie erfasste alle offenen Fälle und kontrollierte, ob es neue Ansatzpunkte geben könnte. Etwa 25 Verfahren wurden bereits ausgewertet. Dies ist sehr aufwendig. Denn die Sicherstellung einer DNA-Spur mit modernster Technik führt nicht automatisch zum Täter – sie kann auch von unbeteiligten Personen stammen, zum Beispiel Gerichtsmedizinern oder Kriminalbeamten. Im Fall des Hammers war der Fall klar, er gehörte dem Opfer, sonstige Spuren fanden sich nicht.

Wichtig für die Aufklärung war in diesem Fall auch, dass sich der Gesetzgeber entschlossen hatte, bei Schwerverbrechern auch nachträglich eine DNA-Probe zu nehmen. Diese musste Ali K. im Jahr 2000 im Gefängnis Tegel abgeben, sie wurde beim BKA archiviert – für alle Fälle. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat inzwischen ein Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen K. erlassen. Ha

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