Mord in Berlin-Westend : Polizei verhaftet jüngsten Sohn des erschossenen Notars

Wende im Fall des getöteten Steuerberaters aus Berlin-Westend: Nach langen Ermittlungen hat die Polizei nun doch den jüngsten Sohn verhaftet. Der 16-Jährige steht nun unter dringendem Tatverdacht, seinen 49-jährigen Vater in dessen Kanzlei durch mehrere Schüsse getötet zu haben.

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Die Indizien waren da, doch die Beweise fehlten. Nun sieht die Lage offenbar anders aus: Die Polizei hat am Dienstag den jüngsten Sohn des getöteten Notars Ingo W. aus Westend wegen Mordes verhaftet. Der 16-Jährige steht unter dringendem Tatverdacht, seinen 49-jährigen Vater in dessen Kanzlei in der Leistikowstraße durch mehrere Schüsse getötet zu haben.

Fahnder des Mobilen Einsatzkommandos verhafteten den Jugendlichen um 13.30 Uhr, als er gerade das elterliche Wohnhaus neben der Kanzlei verließ. Es seien „weitere Ermittlungsergebnisse, insbesondere neue Indizien und Zeugenaussagen“ gewesen, die nunmehr zu dem dringenden Tatverdacht geführt hätten, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Nähere Angaben gab es dazu nicht.

Bereits kurz nach der Tat am 12. August dieses Jahres waren die beiden 16 und 18 Jahre alten Söhne des Juristen festgenommen worden. Doch die Beweise reichten zunächst nicht aus: Die beiden wurden am nächsten Tag wieder freigelassen. Die Tatwaffe blieb verschwunden.

In Ermittlerkreisen war man von Anfang an davon ausgegangen, dass wahrscheinlich einer der beiden Söhne Ingo W. erschossen habe. Drei Angestellte waren zur Tatzeit in anderen Räumen der Kanzlei anwesend und sagten bei der Mordkommission aus, einen jungen Mann davonlaufen gesehen zu haben. Doch offenbar blieb die Beschreibung zunächst zu vage. Und auch die Schmauchspuren, die an den Händen haften, wenn aus einer Pistole gefeuert wird, waren zu uneindeutig, als dass sie zunächst für einen Haftbefehl reichten.

Kürzlich war die Witwe zur Kriminalpolizei gebeten worden, um sich Fingerabdrücke nehmen zu lassen. Mutmaßungen aus Polizeikreisen, dass sie als Drahtzieherin für den Mord an ihrem Ehemann fungiert haben könnte, kommentiert die Staatsanwaltschaft nicht. Auch der jüngste Sohn war kürzlich abermals einbestellt worden, um eine weitere DNA-Probe abzugeben. Ob diese ausschlaggebend war für den nun erwirkten Haftbefehl, kommentierte die Staatsanwaltschaft nicht.

Das Motiv für die Tat sollen private Familienstreitigkeiten sein. Ingo W. und seine Frau lebten getrennt. Sowohl Nachbarn als auch die Eltern des Getöteten, die sich mit einer Pressemitteilung an die Medien wandten, berichteten von erheblichen Eheproblemen des Paares. Heiligabend 2011 sei Ingo W. aus der gemeinsamen Wohnung in Westend in eine Gartenlaube gezogen und habe seit Juni dieses Jahres eine eigene Wohnung gehabt. Auch eine neue Freundin soll der Steuerberater gehabt haben. Die Eltern des Toten hatten in ihrer Mitteilung die Noch-Ehefrau teilweise heftig beschuldigt. Gleichzeitig betonten sie in dem Schreiben, dass ihr Sohn sich trotz der Trennung um die beiden Söhne gekümmert habe und ihre Hobbies auch finanziell unterstützt habe. So auch die „teuren Musikstunden“ des Jüngeren. Der Ältere hat gerade Abitur gemacht. Der Jüngere besuchte noch das Gymnasium.

Mitte Mai hatten sich Ingo W. und sein jüngerer Sohn nach einem Streit auf offener Straße vor dem Wohnhaus gegenseitig bei der Polizei angezeigt. Die Verfahren waren jedoch Mitte Juli eingestellt worden.

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