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Mordanschlag auf André S. : Ex-Rocker-Boss Holger B. muss siebeneinhalb Jahre in Haft

Sieben Kugeln trafen Rocker-Boss André S. im Juni 2012 vor seiner Kneipe in Hohenschönhausen. Für das Berliner Landgericht stand am Freitag fest, dass der ehemalige Rocker-Boss Holger B. für den Mordanschlag auf seinen Nachfolger verantwortlich ist.

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Der Angeklagte, der frühere Präsident der Rockergruppe Hells Angels Holger B., am 13. September im Kriminalgericht in Berlin Moabit auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft hatte elf Jahre Gefängnis für den früheren Präsidenten der Hells Angels Berlin gefordert. Am Freitag wurde Holger B. nun zu siebeneinhalb Jahren verurteilt.
Der Angeklagte, der frühere Präsident der Rockergruppe Hells Angels Holger B., am 13. September im Kriminalgericht in Berlin...Foto: dpa

Richter sahen es als erwiesen an, dass der 52-Jährige für einen Mordanschlag auf seinen Nachfolger bei den Berliner Hells Angels verantwortlich ist. Zwar brach die geschasste Rocker-Größe sein Schweigen, doch Kronzeuge mit viel Strafrabatt wurde er nicht.

Der ehemalige Rocker-Boss Holger B. soll für siebeneinhalb Jahre hinter Gitter. Er sei für einen Anschlag auf seinen Nachfolger bei den Berliner Hells Angels verantwortlich und habe sich der Anstiftung zum versuchten Mord schuldig gemacht, stand am Freitag für das Berliner Landgericht fest. Der frühere Rocker-Boss schüttelte den breiten Schädel, als er das Urteil hörte. B. sei es nicht darum gegangen, S. zur Strafe ein Knie zertrümmern zu lassen. Über den Mitangeklagten Michael W. sei ein Killer angeheuert worden. „Von vornherein war die Tötung geplant“, so das Gericht. Nach seinem Rauswurf aus dem Motorradclub und einem Überfall auf ihn selbst habe B. aus „tief sitzender Bitterkeit“ gehandelt.

Gegen einen 64-jährigen Mitangeklagten W. ergingen achteinhalb Jahre Gefängnis. Michael W., genannt „Russen-Micha“, habe die Verbitterung von B. gespürt und angeboten, einen Mann fürs Grobe anzuheuern, stand für das Gericht fest. B. habe 20 000 Euro Lohn geboten. Schließlich sei der Ukrainer Oleg C. beauftragt worden. Die Version der beiden Angeklagten, nur durch panisches Verhalten des Ukrainers sei die Sache aus dem Ruder gelaufen, überzeugte das Gericht nicht.

B. hatte im Laufe des Verfahrens überraschend das in der Szene geltende Schweigegebot gebrochen. Bei der Polizei und später vor Gericht sagte er zwar aus, doch für die Ermittler waren es keine überzeugenden Einblicke in die hochkriminelle Szene. Zu drei Komplexen hatte er ausgesagt. Nur im Falle des Anschlags auf ihn selbst im Mai 2011 habe er sich Strafrabatt aufgrund von Aufklärungshilfe verdient, entschieden die Richter. Die Staatsanwaltschaft hatte sich gegen eine Milderung wegen der Aussagen des Ex-Präsidenten ausgesprochen und elf Jahre Haft verlangt. Die Verteidigung wollte einen Schuldspruch wegen Körperverletzung mit einer Strafe von unter fünf Jahren erreicht.

Sieben Kugeln trafen Rocker-Boss André S. am 10. Juni 2012 vor seiner Kneipe in Hohenschönhausen. Der Killer lauerte im Gebüsch, als André S. aus seiner Kneipe in Hohenschönhausen kam. Er wollte sich gerade aus seine Harley-Davidson setzen, als der Schütze abdrückte. So hatte es eine Zeugin geschildert. S. schwieg. Fünf Monate später klickten für B. die Handschellen. Seine Anwälte hatten auf Anstiftung zur Körperverletzung und weniger als fünf Jahre Gefängnis plädiert. Die Richter folgten im Schuldspruch jedoch der Staatsanwältin, blieben aber deutlich unter den geforderten Strafen von jeweils elf Jahren Haft.

Holger B., 52 Jahre, ein in der Rockerszene als „Hocko“  bekannter Hüne von etwa 100 Kilo, war bis 2008 Präsident der Berliner Hells Angels Nomads. Seine Macht endete durch einen „unehrenhaften“ Rauswurf. Abserviert durch einstige Gefolgsleute, ausgegrenzt mit Kontaktsperre. André S., 49 Jahre, Ex-Hooligan und Gastronom, hatte ihn in der Angels-Hierarchie beerbt. Aus einstigen Freunden wurden Feinde. Als Hocko vor seinem Haus niedergestochen wurde, machte er seinen Nachfolger mitverantwortlich. Bei der Urteilsverkündung demonstrierte die Szene Desinteresse. Kein erkennbarer Rocker war unter den Zuhörern im Saal 700. Frühere Kumpane sehen in B. einen Verräter, der das Schweigegelübde gebrochen hat

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