Mordfall Christin R. in Lübars : Weitere dramatische Wende im Mordfall Lübars

Im Fall der in Lübars ermordeten Pferdewirtin Christin R. vermutet die Polizei nun, dass auch die Mutter des Hauptverdächtigen in das Mordkomplott verwickelt war. Die mutmaßlichen Täter hatten es offenbar auf Lebensversicherungen in Millionenhöhe abgesehen.

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Am 21. Juni wurde in einem vor diesem Freibad abgestellten Fahrzeug die Leiche einer 21-jährigen Pferdewirtin entdeckt.
Am 21. Juni wurde in einem vor diesem Freibad abgestellten Fahrzeug die Leiche einer 21-jährigen Pferdewirtin entdeckt.Foto: dpa

Im Fall der ermordeten Pferdewirtin aus Lübars ist eine weitere Verdächtige verhaftet worden. Es handelt sich dabei um die Mutter des wegen Mordverdachts schon in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Freundes des Opfers. Dies teilte die Polizei am Mittwoch mit. Die 55-Jährige ist schon am Dienstag in Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern festgenommen worden. Sie soll der Staatsanwaltschaft zufolge schon vor dem Mord an der 21-jährigen Pferdewirtin Christin R. versucht haben, die Frau zu töten. Außerdem soll sie später von den Mordplänen gewusst haben. Geäußert hat sie sich zu den Vorwürfen bislang nicht.
Insgesamt sitzen nun fünf Tatverdächtige in Haft. Außer dem Freund des Opfers und seiner Mutter seien alle geständig, sagte ein Polizeisprecher. Laut Staatsanwaltschaft soll die 55-Jährige die Pferdewirtin Christin R. am 9. April mit einem Messer angegriffen und am Rücken verletzt haben. Christin R. konnte den Angriff jedoch abwehren. Nach der Tat habe die 55-Jährige so getan, als hätte sie einen Nervenzusammenbruch gehabt. Anzeige habe Christin R. trotzdem erstattet. Als Beamte dann am 21. Juni die Leiche der jungen Frau am Freibad Lübars fanden, liefen die Ermittlungen zum Messerangriff noch. Trotzdem war die Mordkommission zunächst nicht von einer unmittelbaren Verstrickung der Mutter in die spätere Tat ihres Sohnes ausgegangen. In einem Bericht hieß es, die Frau leide unter einer psychischen Angststörung und habe Christin R. womöglich im Affekt angegriffen.
In den vergangenen Wochen ist das Ausmaß der Tat in dem gutbürgerlichen Reitermilieu sichtbar geworden. Der 23-jährige Robin H. hatte der Polizei zufolge für 1000 Euro einen Mörder angeheuert, um an die Lebensversicherung seiner Ex-Freundin zu kommen. Der Springreiter soll, so die Staatsanwaltschaft, drei mutmaßliche Komplizen gehabt haben, darunter ein Geschwisterpaar, dass wohl den eigentlichen Mörder, einen 21-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen, angeheuert hatte.

Das Motiv sollen die auf Christin R. abgeschlossenen Lebensversicherungen gewesen sein, die im Falle des Todes von R. an Robin H. ausgezahlt worden wären. „Insgesamt ist nach derzeitigem Ermittlungsstand von mindestens sieben Lebensversicherungen mit einer Gesamtversicherungssumme von etwa 2,1 Mio Euro auszugehen“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Versicherungen seien mit drei unterschiedlichen Gesellschaften abgeschlossen worden, hieß es von der Polizei.
Angesichts der Zahl der Policen und der hohen Gesamtsumme stellen sich mehrere Fragen: Warum hat R. so viele Versicherungen abgeschlossen? Wurde sie dazu gedrängt? Hat sie vielleicht gar nicht selbst unterzeichnet? „Dass eine 21-Jährige so viele Lebensversicherungen hat, ist tatsächlich ungewöhnlich“, sagte Simone Schuchert vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Kenner sagen, dass es unseriös gewesen wäre, wenn Versicherungsagenten die junge Frau gleich mehrere Policen hätten unterschreiben lassen.

Die Ermittler prüfen nun, ob Christin R. beim Abschluss aller Versicherungen überhaupt anwesend war, und ob ihre Unterschrift gefälscht worden ist. Bei Versicherungsprämien von mehr als 250 000 Euro sind ärztliche Atteste vorgeschrieben. Mindestens für Policen oberhalb dieser Grenze hätte R. also wissen müssen, dass ihr Leben gerade für viel Geld versichert wird.

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