Mordprozess : Höchststrafe für 19-Jährigen gefordert

Erdal W. hat seine Großeltern getötet. Für den Ankläger war es eine Hinrichtung, die Rache für die Scheidung seiner Eltern. Er fordert deshalb zehn Jahre Jugendstrafe.

Kerstin Gehrke

Der Enkel hatte die Tötung der Großeltern nach Überzeugung des Staatsanwalts eiskalt geplant. Erdal W. habe sie brutal hingerichtet, um seiner Mutter wehzutun. Wegen Mordes forderte der Ankläger die höchstmögliche Jugendstrafe von zehn Jahren gegen den 19-Jährigen. Die Verteidigung plädierte dagegen auf einen Schuldspruch wegen Totschlags und eine „deutlich geringere“ Strafe. Das Urteil wird Mittwoch erwartet.

18 Mal stach der Enkelsohn zu

Erdal W. war am 14. März zu seinen Großeltern nach Rudow gefahren. Damals wurde er nach einem Messerangriff auf den neuen Lebensgefährten seiner Mutter bereits seit zwei Monaten mit Haftbefehl gesucht. An jenem Morgen sei er erneut mit einem Messer bewaffnet gewesen, ist der Staatsanwalt überzeugt. Erdal W. habe sich an der Mutter rächen wollen, weil sie seinen Vater verlassen hatte. 18 Mal stach er auf seinen 64-jährigen Stiefgroßvater ein. Seine 74-jährige Oma lief noch auf den Balkon und rief um Hilfe. Wieder stach der Enkelsohn zu.

Erdal W. bestreitet, dass es Mord war

Die Stiche hatte Erdal W., Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters, zugegeben, sich aber auf eine Tat im Affekt berufen. Nach seiner Version wollte er mit seinen Großeltern reden – in der Hoffnung, sie könnten seine Mutter zur Rückkehr bewegen. Doch es sei zum Streit gekommen. Als der Großvater mit einer Gehhilfe zuschlug, habe er ein Messer vom Küchentisch genommen und zugestochen. Einer der Verteidiger sagte, das Drama habe sich aus einer Mischung von Verzweiflung und Ratlosigkeit entwickelt. Erdal W. entschuldigte sich in seinem Schlusswort und erklärte: „Ich werde mein Leben lang nicht damit fertig werden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben