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Nach brutaler Attacke am S-Bahnhof : Polizei fahndet wegen versuchten Totschlages nach Tätern

Nach dem Angriff auf einen 22-Jährigen am Wochenende ermittelt die Polizei jetzt wegen versuchten Totschlages. Das Opfer wurde am Montagabend aus dem Krankenhaus entlassen.

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Die Gewaltserie an Berliner Bahnhöfen reißt nicht ab. Auch die Notrufsäule scheint daran nichts ändern zu können.
Die Gewaltserie an Berliner Bahnhöfen reißt nicht ab. Auch die Notrufsäule scheint daran nichts ändern zu können.Foto: dpa

Nach der brutalen Gewalttat auf dem S-Bahnhof Schöneweide am Wochenende hat die 7. Mordkommissin der Berliner Polizei die Ermittlungen übernommen. Man ermittle wegen versuchten Totschlags gegen Unbekannt, sagte eine Sprecherin und dementierte zugleich Aussagen ihres Kollegen von der Bundespolizei, wonach ein Tatverdächtiger identifiziert sei. „Es gibt keinen konkreten Verdächtigen und daher auch keine Fahndung nach einer bestimmten Person“, sagte die Sprecherin. Auch habe keine Überwachungskamera die Tat aufgenommen.

Wie berichtet, hatten zwei Angreifer am frühen Sonnabendmorgen auf dem Bahnsteig einen 22-Jährigen zusammengeschlagen und dem am Boden Liegenden mehrfach ins Gesicht getreten. Der junge Mann kam mit Knochenbrüchen im Gesicht schwer verletzt in ein Krankenhaus. Er wurde am Montagabend wieder entlassen. Vorangegangen war ein heftiger Streit gegen 5.30 Uhr. Beide Täte  flüchteten vor Eintreffen der Beamten. Nach Angaben von Zeugen, die von der Polizei in   umliegenden Geschäften und Kneipen befragt wurden, sprachen sie  mit russischem Akzent.

Die Serie von Gewalttaten in U- und S-Bahnen vom Wochenende befeuert erneut die Forderung der Berliner CDU das Alkoholverbot in den Bahnen konsequent durchzusetzen. Fasst alle Angreifer vom Wochenende, die gefasst werden konnten, waren alkoholisiert.

„Eine Vielzahl von Gewalttaten im öffentlichen Nahverkehr wird nach unseren Erfahrungen unter Einfluss von Rauschmitteln begangen“, bestätigt die Bundespolizei. Dabei gehe es nicht nur um Alkohol, sondern auch um andere Drogen. Doch das Gewaltproblem lasse sich auch mit einem Alkoholverbot in den Zügen nicht lösen, sagen Experten. Ein Trinkverbot in der Bahn ändere schließlich nichts daran, dass bereits betrunkene Fahrgäste einsteigen. Zudem soll der öffentliche Nahverkehr ja gerade die Möglichkeit bieten, nach dem Trinken von Alkohol das Auto stehen zu lassen.

Auch die Effektivität der seit Mai patrouillierenden Reserve-Einsatzhunderschaft wird wieder diskutiert. Nach Tagesspiegel-Informationen sind die 60 Polizisten meist nur noch bis 24 Uhr auf U-Bahn-Streife und werden dann für den Rest der Nacht als Brandstreife gegen Autozündler eingesetzt. „Der zukünftige Polizeipräsident muss sich mit diesem Problem ernsthaft auseinandersetzen“, sagt der stellvertretender Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Helmut Sarwas. Für wichtige Einsätze in der Nacht und Präsenz in der Bahn stünden kaum noch Reserven zur Verfügung.

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