Nach erneutem Raubüberfall : Geldautomatenbetreiber will S-Bahn in die Pflicht nehmen

Schon wieder haben Diebe mit einem Auto einen Geldautomaten in der Vorhalle eines S-Bahnhofs gerammt. Erstmals konnte die Polizei einen Verdächtigen schnappen. Die Betreiber der Geldautomaten fordern nun von der S-Bahn mehr Sicherheit.

Zum wiederholten male haben Diebe einen Geldautomaten in Berlin gerammt und aufgebrochen.
Zum wiederholten male haben Diebe einen Geldautomaten in Berlin gerammt und aufgebrochen.Foto: dpa

Vier Männer haben in Charlottenburg mit einem Auto einen Geldautomaten gerammt, der in der Vorhalle des S-Bahnhofs Heerstraße stand. Doch die Täter erbeuteten weder das Gerät noch das Geld daraus. Die Polizei konnte einen Verdächtigen festnehmen.

Vier Männer fuhren gegen 3.30 Uhr des Montags mit einem "Opel Corsa" in die Vorhalle des S-Bahnhofs Heerstraße in Charlottenburg und rammten den Geldautomaten. Das Gerät wurde daraufhin aus der Verankerung gerissen. Nach Angaben der Polizei wurden die Täter gestört und flüchteten. Nur ein 25 Jahre alter Tatverdächtiger wurde festgenommen, die restlichen drei Komplizen konnten über das Gleisbett entkommen. Das Auto blieb am Bahnhof zurück. Auch ein zweites Fahrzeug, ein "Volvo", mit dem der Geldautomat abtransportiert werden sollte, wurde sichergestellt.
Derzeit prüft die Polizei, ob der Festgenommene und die geflüchteten Täter mit anderen Diebstählen von Berliner Geldautomaten aus S-Bahnhöfen in Verbindung stehen. 2012 hatte es eine ganze Serie von Diebstählen gegeben. Vier Mal haben unbekannte Täter etwa im Mai versucht, Geldautomaten an S-Bahnhöfen zu stehlen - dreimal ist es ihnen auch gelungen. Die Polizei suchte damals auch mit Bildern aus einer Überwachungskamera nach den Unbekannten. So waren allein am 22. Mai Geldautomaten an den S-Bahnhöfen Messe-Nord in Charlottenburg und am Alexanderplatz in Mitte (Ausgang Rathausstraße) entwendet worden.

Erst kürzlich hatte Reinigungspersonal auch einen Diebstahl am S-Bahnhof Bellevue entdeckt.
Erst kürzlich hatte Reinigungspersonal auch einen Diebstahl am S-Bahnhof Bellevue entdeckt.Foto: dpa

Auf den Überwachungsbildern können vier Männer im geschätzten Alter zwischen 20 und 30 Jahren erkannt werden, die einen abgedeckten Geldautomaten auf einem Hubwagen, einer Art Palettenwagen wie im Supermarkt, abtransportieren. Die Automaten wurden wenige Tage später im Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal, Höhe Saatwinkler Damm 43, ausgeschlachtet aufgefunden. Erst kürzlich hatten Diebe dann erneut einen Geldautomaten aus dem S-Bahnhof Bellevue gestohlen. Hinweise auf die Täter gab es nicht.

Offenbar ist Berlin von dieser Art Verbrechen besonders stark betroffen: "Die Schadensfälle liegen für uns zu 90 Prozent in Berlin. Das betriff die Diebstähle von ganzen Automaten genauso wie Vandalismus. Die Sachbeschädigungen an den Geräten liegen im Raum Berlin besonders hoch", sagt Andreas Raabe von der Firma Cardpoint. Die Firma Cardpoint aus Trier betreibt einige Geldautomaten in Berlin und prüfte sogar, ob sie die Berliner Standorte aufgeben sollte.

Schon im August hatten Unbekannte einen Geldautomaten am Potsdamer Platz aufgebrochen. Die Polizei suchte sie mit Bildern der Überwachungskamera.
Schon im August hatten Unbekannte einen Geldautomaten am Potsdamer Platz aufgebrochen. Die Polizei suchte sie mit Bildern der...Foto: Berliner Polizei

In Berlin stellt das Unternehmen für eine Bank Geldautomaten auf. Schon im August hatten Unbekannte einen Geldautomaten am Potsdamer Platz aufgebrochen. In Berlin stellt das Unternehmen für eine Bank Geldautomaten auf. 18 Geräte befinden sich auf Bahngelände, der Automat an der Heerstraße zählt nicht dazu. "Wir finden, dass die Deutsche Bahn auch eine gewisse Aufsichtspflicht zu erfüllen hat und sich nicht aus der Verantwortung stehlen darf", so Cardpoint-Sprecher Winfried Michels. "Wir haben bereits extra geschultes Personal an den Bahnhöfen im Einsatz, die sich um die Sicherheit kümmern. Zusätzlich haben wir überall Notfallnummern ausgehängt.“, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage des Tagesspiegels. Als erste Reaktion auf die Vorfälle, habe die Firma alle ihre Automaten an Bahnhofsstandorten entleeren lassen. Wie Raabe erklärt, sei es nicht an allen Standorten möglich, die Apparate im Boden zu verankern. In einigen Fällen sind die Geräte lediglich mit einem Spezialkleber am Boden und mit einem Kabel an der Wand befestigt.

Offenbar haben die Täter, wenn sie es geschickt anstellen, dabei relativ leichtes Spiel. Zwar denke die Firma auch über eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen nach, doch das sei oft nur schwer umsetzbar. Gleich viermal war das Unternehmen in der Vergangenheit betroffen, und zwar immer an Geräten, die an S-Bahnhöfen standen.

(dpa/tsp)


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