Nach Missbrauch eines Sechsjährigen : 38-Jähriger zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt

Für den sexuellen Missbrauch eines sechsjährigen Jungen ist ein Mann aus Hellersdorf am Donnerstag zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der 38-jährige Marcel W. hatte die Taten vor Gericht gestanden.

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Sein Geständnis war holprig. Marcel W. hatte die Übergriffe auf den sechs Jahre alten Sohn seiner Cousine zugegeben, aber exorbitant hohe Mengen an Alkohol in seine Aussage einfließen lassen. Es war offensichtlich der Versuch, die große Schuld etwas von sich wegzuschieben. Das Gericht durchschaute es. „Wir haben nicht den Eindruck, dass Sie bei den Taten derart alkoholisiert waren“, hieß es im Urteil. Der 38-Jährige wurde des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in fünf Fällen schuldig gesprochen. Er muss für drei Jahre und drei Monate in Haft.

Die Mutter des Jungen, eine 26-jährige Studentin, hörte den Richterspruch mit Tränen in den Augen. Der Vorsitzende Richter wollte sie stärken. „Bei allem, was passiert ist, hat Ihr Junge Glück gehabt, weil er eine absolut kompetente Mutter hat“, sagte er anerkennend. Sie habe bei der ersten Situation, in der das Kind zu den Taten etwas andeutete, behutsam nachgefragt, dann sofort die Reißleine gezogen und die Polizei eingeschaltet.  

Kind leidet massiv an den Folgen des Missbrauchs

Ein Täter aus dem sozialen Umfeld. Wie meistens in Fällen des Missbrauchs von Kindern. Die Mutter hatte W., der lange als Schausteller auf Mittelaltermärkten tätig war, für einen aufrechten Kinderfreund gehalten. Er galt in der Familie als netter Weltenbummler. Die Verwandten halfen ihm sehr, als er vor zwei Jahren zurück nach Berlin kam. Er wohnte in Hellersdorf Tür an Tür mit seiner Cousine.

W. ging mit ihrem kleinen Jungen ins Schwimmbad, er sprang als Babysitter ein. Doch bei Übernachtungen kam es zu Analverkehr. Bis sich das Kind im Mai 2013 der Mutter anvertraute. Marcel W. sagte, er habe viel Whisky getrunken, könne sich sein Verhalten nicht erklären. Kurz vor dem Urteil gab er zu, dass er bei den Mengen übertrieben habe.      

Das Geständnis aber war sehr bedeutsam für den Jungen, der bis heute massiv unter den Folgen der Übergriffe leidet, in sich gekehrt ist, in seinem Zimmer eine „Falle für böse Menschen“ gebaut hat. „Dem Kind blieb eine Aussage im Prozess erspart, das ist hoch zu bewerten“, so die Richter. Neben der Haft ordneten sie eine Unterbringung von W. in einer Entziehungsanstalt an. Alkohol und Drogen hätten bislang zu seinem Leben gehört. Es müsse verhindert werden, dass sich sein Fehlverhalten fortsetzt.

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