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Nach Polizisten-Suizid : Polizeichefin besucht Dienststelle

Berlins amtierende Polizeipräsidentin Koppers hat die alte und neue Dienststelle des verstorbenen Polizisten Henning G. aufgesucht. In der Polizei wird unterdessen das Thema Mobbing debattiert.

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Sie ist amtierende Polizeipräsidentin und so auch mit dem Fall Henning G. befasst: Margarete Koppers.
Sie ist amtierende Polizeipräsidentin und so auch mit dem Fall Henning G. befasst: Margarete Koppers.Foto: dpa

Die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers sei mit ihrem Besuch ihrem Verständnis von Fürsorge gegenüber den Kollegen gefolgt, sagte Sprecher Thomas Neuendorf. Der Suizidfall des 61-jährigen Polizisten, der sich am Sonnabend in Lankwitz verbrannt hatte, löste eine Debatte über den Umgang mit Mobbingfällen bei der Polizei aus. „Was der Auslöser für seinen Selbstmord war, vermag ich nicht zu sagen, doch die Stellungnahme der amtierenden Polizeipräsidentin am Montag, der Suizid habe ausschließlich persönliche Gründe ohne dienstlichen Zusammenhang, ärgert mich sehr“, sagte der ehemalige Personalratsvorsitzende Detlef Rieffenstahl. Am Mittwoch betonte Margarete Koppers: "Der Kollege hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen, so dass die Motivation für seinen Suizid immer im Dunkeln bleiben wird".

Rieffenstahl war in seiner damaligen Funktion mit dem Fall Henning G. vertraut. Der Erste Polizeihauptkommissar sei nach Angaben Rieffenstahls und etlicher anderer Kollegen, die ihren Namen aus Angst vor personellen Konsequenzen nicht nennen wollen, im vorigen Jahr "zwangsversetzt" worden. „Die Versetzung hat G. so sehr zugesetzt, dass er einige Zeit nicht arbeiten konnte“, sagte Rieffenstahl. Auch kurz vor seinem Tod habe G. noch an der Versetzung gelitten.

Ehemalige Kollegen, die den Ersten Polizeihauptkommissar gut kannten, hatten unabhängig voneinander berichtet, Henning G. habe seit längerer Zeit „erhebliche Probleme mit der Arbeit“ gehabt – insbesondere mit einem Vorgesetzten.

Keiner der Kollegen, die ihm nahestanden und sich gegenüber dem Tagesspiegel äußerten, mochte dies namentlich tun – aus Angst vor personellen Konsequenzen. Alle sagen übereinstimmend, private oder familiäre Probleme des Mannes seien ihnen nicht bekannt. Am Sonnabend übergoss sich der 61-Jährige auf einem Lankwitzer Friedhof mit Benzin, zündete sich an und starb.

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