Nach Sicherungsverwahrung : Schwerverbrecher wieder auf der Anklagebank

Rainer P. kam nach einem Grundsatzurteil aus der Sicherungsverwahrung. Acht Monate später schlug er laut Anklage wieder zu.

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Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof kippte die nachträgliche Verlängerung der Sicherungsverwahrung. Mehrere Gefangene mussten daraufhin auf freien Fuß gesetzt werden - trotz erheblicher Bedenken.
Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof kippte die nachträgliche Verlängerung der Sicherungsverwahrung. Mehrere Gefangene...Foto: dpa

Die Prognosen für Rainer P. waren schlecht. Ein Psychiater bescheinigte dem 55-jährigen Schwerverbrecher ein „Rückfallrisiko“. Doch der Mann, der rund zwanzig Mal verurteilt wurde und 33 Jahre seines Lebens hinter Gittern verbrachte, kam frei. Ein Grundsatzurteil zur nachträglichen Sicherungsverwahrung (SV) ließ keine andere Entscheidung zu. Rainer P. war in Berlin der Erste, für den die „Haft nach der Haft“ aufgehoben wurde. Er war laut Anklage der Erste, der rückfällig wurde.

Um zwei Vorfälle geht es seit Donnerstag vor dem Landgericht. Rainer P. soll im Oktober 2011 gemeinsam mit einem Komplizen in der Müllerstraße in Wedding einen Mann in einen dunklen Hausflur gedrängt und ihm die Lederjacke sowie 380 Euro geraubt haben. Er hielt sich nicht weiter an das strikte Alkoholverbot, das ihm die Justiz als Auflage bei seiner Entlassung verordnet hatte. Es wurde viel getrunken, als es am 16. November in seiner Wohnung zu einem Streit kam. Es ging um Geld und einen Zechkumpan, der sich durchschlauchte. Rainer P. soll ihn geschlagen und getreten haben.

Jetzt könnte P. der erste deutsche Verbrecher werden, gegen den zum zweiten Mal die Sicherungsverwahrung verhängt wird. Als er verhaftet wurde, soll er erneute Gewalttaten bestritten haben. Das mit der Jacke sei er nicht gewesen, geprügelt habe er auch nicht. Ihm sei schließlich klar, was für ihn auf dem Spiel steht. Vor Gericht lehnte sich der Mann mit Schnauzer, der die Haare vorne kurz und hinten lang trägt, zurück. „Nee, danke“, verweigerte er zumindest vorerst die Aussage.

Als Räuber wurde er schon als Jugendlicher verurteilt, dann als Totschläger. Seit seinem 14. Lebensjahr ist P. aufgefallen. Seitdem soll er auch Alkoholiker sein. Bei den Taten sei er immer betrunken gewesen. Seine Angriffe endeten in zwei Fällen tödlich. 1989 trat P. einem Obdachlosen im Streit in den Bauch. Der Mann starb. Fünf Jahre Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wurden gegen P. verhängt. 1993 tötete er erneut einen Obdachlosen und beraubte ihn. Die Richter verhängten wegen vorsätzlichen Vollrausches fünf Jahre Haft sowie anschließende Sicherungsverwahrung.

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